Einbecker Bockbier-Botschafter - Kai Thrun

Einbecker Bockbier-Botschafter

Bier ist mein Lieblingsbier, ein häufig benutztes Zitat in meiner (Online-)Filterblase. Bier ist Philosophie, Wochenend-Elixier und manchmal Durstlöscher.

Im November war ich (über meinen Arbeitgeber) bei der Einbecker Brauerei eingeladen, um am Seminar des Einbecker Bockbier-Botschafters teilzunehmen. Immerhin wurde das Bockbier in Einbeck erfunden. 3 Tage gefüllt mit dem Thema Bier. Zu Beginn hatte ich die wildesten Vorstellungen, aber andere haben schon eine Woche Bierkönig überstanden – was sollte passieren. Ich war gespannt, denn ich würde mich nicht als Gourmet bezeichnen. Meine Kriterien sind eher: Schmeckt oder vielleicht mag’s der Hund.

Seminarleiter Hans Wächtler stellte sich vor und ich dachte insgeheim, so muss es Offlinern ergehen, wenn ich über meine Arbeit spreche. Hans ist Braumeister, hat danach Brauanlagen verkauft und seit 7 Jahren bildet er zum Biersommelier aus. Ein echter Bier-Nerd.

Helles, Export oder Pils?

Damit die Veranstaltung nicht ausufert, war sie mit einer kleinen Prüfung versehen. Jeder Teilnehmer sollte Helles, Export oder Pils voneinander unterscheiden oder zumindest eines rausschmecken. Am ersten Tag sitzt man da, schaut auf die drei Gläser und erkennt sich: Bier, Bier und Bier ¯\_(ツ)_/¯. Hans weiß, wie er die Leute bei der Stange hält. Ich hätte nicht geglaubt, dass zwischen Bier genießen und Bier trinken (kalt, schnell, viel) ein großer Unterschied liegt. Ich sollte mich irren.

Basis: riechen, schmecken, fühlen

Zu Beginn des Seminars machten 12 Aroma-Proben die Runde. Jeder sollte seine Eindrücke niederschreiben, was er soeben gerochen hat. Eine gute Übung, denn was man nicht kennt, kann man später schlecht erkennen.

Wir bekamen die Werkzeuge an die Hand, die wir die nächsten Tage brauchen würden. Einen Aroma-Baum zu Orientierung (von Hans entwickelt), der sich als sehr hilfreich erweisen sollte. Machen wir uns nicht vor, am Anfang schmeckt und riecht man die supergängigen Aromen raus, beim Rest ging das große Raten los. Ob nun Schwarzbrot, Kaffeenoten, Karamell oder Dürrfrüchte verordnete ich unter schmeckt nach irgendwas.

»Achtet darauf, wie das Bier auf der Zunge auftritt«, riet Hans. Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Bisher war ich froh, wenn das Bier meinen Mundraum nur als Einbahnstrasse verstand. Aber dann stehen da drei Biere vor dir, eines ist spritzig, eines weniger spritzig und die dritte Sorte ist der Kohlensäure aus dem Weg gegangen. Diese Erkenntnis und jene, wie sich Getränke im Mund verhalten, wenn sie auf der Zunge liegen, waren ebenfalls Teil des Seminars. Der Abgang darf nicht unvergessen bleiben, denn gerade jener, ist es für mich, der durchaus darüber entscheidet, ob ich ein Bier erneut trinken möchte oder eine andere Wahl treffe.

Bausteine der Verkostung

Hans Wächtler hat ein System mitgebracht, wie man sich so einem Bier nähern kann. Es geht um die Farbe, Konsistenz des Schaums, den Geruch der Aromen, den Antrunk, Mitteltrunk, Abgang. Ich kann euch sagen, nach 3 Tagen war ich in der Lage zumindest vage einen Essenvorschlag zum Bier zu machen. Dazu aber später mehr.

Party-Trick inklusive

Bei der Geschmackserkennung gibt es die retronasale Aromawahrnehmung, also was wir riechen, wenn wir ausatmen. Da gibt’s einen Kirmis-Trick: Shotglas mit Wasser und Zimt drauf. Das Glas gibt ihr dem Vorkoster, der sich gleichzeitig die Nase zuhält. Er darf es ruhig im Mund behalten. Es schmeckt nach nichts, bis man die Nase öffnet und einem der Zimt durch den Kopf rauscht. Zimt wird gerochen. Eine einfache aber lehrreiche Lektion.

5 Gänge & Ainpöckisch Bier

Hans Wächtler hat sich als Programm-Highlight ein 5-Gang-Menü mit der Einbecker Brauerei und dem Koch des Einbecker Brothaus entwickelt. Zu allen Gängen gab es Einbecker 1378 Ainpökisch Bier. Was wie eine Bierflatrate klingt, war eine echter Überraschung. Der Aperetif wurde eiskalt im Sektglas serviert und dem Bier war ein Teelöffel Hollunder begegeben worden. Superlecker.

Die Kreationen zogen sich von Gang zu Gang, leider stieg auch die Temperatur mit jedem Gang. Zur Vorspeise kam es im Weinglas, ebenfalls mit Hollunder allerdings war die Temperatur bei 8-12°C. Der dritte Gang war Bier wie man es kennt und beim vierten Gang (circa 20°C) war ich allerdings raus. Warmes Bier ist einfach nichts für mich.

Der Digistif war eine Überraschung. Eisbock. Bockbier wird für 24 Stunden durchgefrohen und dann wieder aufgetaut. Die Eiskristalle des Wasser brauchen etwas länger, daher tropft dann unten eine Flüssigkeit heraus, die etwa 20-30% Alkohol haben. Der klassische Absacker mit Unterhaltungsfaktor.

Die eigene Biervorstellung

Neben dem Unterhaltungsfaktor sollte ein Wissenstransfer stattfinden. Jeder Teilnehmer hatte am dritten Tag die Aufgabe ein Bier seiner Wahl vorzustellen. Die Vorstellung sollte 5 Minuten dauern. Am ersten Tag sieht die Biervorstellung etwa so aus: Das ist Bier. Schmeckt. Danke für euer Aufmerksamkeit.

Vorstellung Härke Amber Ale

Ich habe mich für das Härke Amber Ale entschieden, ein Bier, was nicht nach Pils schmeckt. Die Härke Braumanufaktur wurde von der Einbecker Brauhaus AG im Jahre 2013 übernommen. Das Amber Ale wurde zum 125jährigen Jubiläum aufgelegt.
Der Name des Bieres verrät seine Farbe, da amber das englische Wort für Bernstein ist. Die Farbe ist sehr klar und leuchtet schön im Tages/Sonnenlicht. Der Geschmack des Härke Amber Ale ist fruchtig im Geschmack. Ich muss aber gestehen, dass ich den Cascade-Hopfen ohnehin irgendwie mag. Generell ist das Amber Ale spritzig unterwegs, weswegen meine Essenempfehlung auch ausgefallen ist. Ich würde es als Aperitif im Sommer servieren, vielleicht auch ohne zu sagen, dass es sich hier um ein Bier handelt.

4 Jahrgänge Winterbock

Bei Bockbier-Trinkern hat es sich rumgesprochen, den Maibock kauft man im Mai und lässt ihn bis Weihnachten stehen. Er schmeckt dann angeblich besser, außerdem hat man die Geschichte, dass das Bier 6 Monate reifen musste. Aber 4 Jahre alter Einbecker Winterbock? Ich muss sagen, Winterbock ist nicht so meins, jedoch ich war sehr gespannt. Lange Rede kurz: Er schmeckt von Jahr zu Jahr mehr nach Cherry. Der 2014er Einbecker Winterbock schmeckt fast wie Cherry. Ich mag zwar keinen Cherry, aber den Effekt über die Jahre festzustellen, ist bemerkenswert. Das Bier bitte kühl und dunkel lagern, solltet ihr den Selbstversuch machen wollen.

Fazit

Das Seminar mit Hans Wächtler war großartig. Er ist ein absoluter Bierprofi und kann sein Wissen spielerisch, abstrakt und plastisch vermitteln. Er versteht es, wann man auch mal 5 gerade sein lassen muss. Ich selbst habe Bier aus einer neuen Perspektive kennengelernt und bin etwas hängengeblieben. Ich kaufe seitdem vorwiegend Biere, die ich noch nie getrunken habe. Dank einem Bier-Adventskalender, den ich zum Geburtstag bekam, hatte ich 48 verschiedene Biersorten zuhause stehen. Ich bin noch dabei mich nach und nach durchprobieren.

Für jemanden, bei dem die kulinarische Reise bei TK-Pizza vor Jahren endete, ist ein solches Seminar eine Offenbarung. Ich frage mich schon ein wenig, was ich all die Jahre wohl verpasst habe – also nicht nur beim Bier.

Einbecker 1378 – mit und ohne Eiweisablagerungen

Ach! Übrigens: Solltet ihr euch ein Einbecker 1378 gönnen, bitte, bitte, bitte – schüttelt nicht die Flasche und lasst die Eiweisablagerungen in der Flasche. Es schmeckt einfach besser, auch wenn eventuell etwas anderes auf der Flasche steht 😉

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