Meine Hommage an die Vereinigten Arabischen Emirate

Ich werde desöfteren gefragt, was ich an den Emiraten so toll finde. Dies liegt scheinbar auch daran, wie ich Dinge erzähle und mit welcher Begeisterung ich dies unbewusst tue. Ich versuche diese Frage mal zu beantworten, wenn auch ich weiß, dass es nicht vollständig oder all umfassend sein wird. Einiges könnte sich sogar als falsch erweisen, weil mir die nötigen Langzeiterfahrungen fehlen. Es hätte auch an jedem anderen Ort der Erde passieren können, ist es aber nun mal nicht. Ich habe eine emotionale Bindung zu den Emiraten, das hat vorwiegend persönliche Gründe.

Als ich 2011 das erste Mal in den Emiraten war, ging es mir sehr schlecht. Ich hatte mich aufgrund von einer Reihe von Fehlentscheidungen in eine missliche Lage manövriert. Da kam mir etwas Abstand gerade recht. Also flog ich nach Dubai. Eine Reise, die mein Leben und meine Denkweise in 5 Tagen völlig auf den Kopf stellen sollte.

Sheikh Zayed Road

Die Armada Tower nahe der Dubai Marina

Tower in der Dubai Marina


Eine typische Metro-Station in Dubai

Dubai SZR vom Burj Khalifa aus. Vielleicht mal Carrerabahn nachbauen?

Der Yachthafen zum Fuße der Palme

Die Wochen vorwiegend vor dem Abflug waren die Hölle, ich war voller Vorfreude. Dies hat sich sowohl 2012, als auch 2013 nicht geändert. Ich bin zwar nach wie vor ein Nervenbündel vor Freude, aber die Freude hat sich verändert. Kennt ihr das, wenn ihr euch so sehr auf etwas freut, dass ihr selbst von euch genervt seid oder völlig erschöpft? So geht es mir immer, wenn es Richtung Emirate geht. Ich sehne mich heute nach dem salzsüßlichen Duft des arabischen Golfes, wenn man aus dem klimatisierten Flughafen kommt. Ich liebe es, das erste Mal tief durchzuatmen, wenn diese vom Meer fast tropische warme Luft durch die Nase strömt. (Wenn ihr das 1. Mal am arabischen Golf seid, Hand ins Wasser und an den Fingern lecken!)

Dubai Skyline im Sonnenuntergang

Die Sonnenspiele auf dem Turm laden Fotografen zu langen Verweilstunden ein

Eines der Wahrzeichen: der Burj Khalifa

Der Burj Khalifa am Abend. Klarer Hotspot für Knipser und Fotografen

Das Adress Hotel der Emaar Gruppe direkt an der Dubai Fontaine

Das Burj Al Arab – ein weiteres Wahrzeichen Dubais

Dubai als Urlaubsort

Sicher sind die Emirate bei Reiseveranstaltern gerade angesagt. Besonders Dubai hat in den letzten Jahren sehr viel dafür getan. In Abu Dhabi ist man gerade dabei, ganz heimlich nachzuziehen. Heimlich ist es nicht, aber wenn erst mal Yas Island fertig ist (dort befindet sich die Rennstrecke und Ferrari World) und der damit verbundene Louvre auf Wasser oder das Guggenheim Museum, welches 2017 fertiggestellt werden soll? Die Emirate sind natürlich ein Urlaubsziel und viel von dem, was ich für dieses kleine Land empfinde oder sage, hat man in anderen Ländern dieser Welt auch. Ich kenne Leute, die fahren jedes Jahr nach Schweden. Ok, wegen der Schwedinnen könnte ich es verstehen und schön ist es dort sicherlich auch, aber jedes Jahr? Ich könnte es nicht. Nicht nach Schweden, auch nicht nach Frankreich oder nach Italien. Meine Zuwendung hat eben das kleine Land bekommen, in dieser uns so fremden Welt. Und ich finde es spannend, wenn man auch viel zu wenig “im Urlaub” davon mitbekommt. Was die Emirate allerdings nicht sind: All-Inkl. mit Bändchen.

Sheikh Zayed Road bei Nacht

Marriott Hotel in der Dubai Marina

Moschee an der SZR in Dubai

Das Hotel Atlantis The Palm auf der Spitze der Palme

Dubai Marina am Abend

Warum die Emirate?

Um die Ecke kommt das Dubai Museum

Warum nicht? Es gibt keinen rationalen oder objektiven Grund. Es gibt dort so viele Dinge zu entdecken, so viel Spannendes zu sehen. Ich meine nicht nur Dubai und die über 400 Wolkenkratzer, die dort inzwischen stehen. Ich liebe dieses Land für seine Weiten, die Wüste, seine Offenheit, seinen Stolz. Ich habe für mich gemerkt, dass ich dort aufblühe. Innerlich. Ich bin mir wohl bewusst, dass vieles anders und vieles nicht perfekt ist. Dies hat man aber nun überall auf der Welt – leider. Es gibt auch viele Dinge, die ich in Deutschland nicht gut finde. Angefangen bei der Mentalität meiner Landsleute. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Emirate sind nicht Bahrain oder Saudi Arabien

Was ich schlimm finde, ist die in Deutschland vorherrschende Medienmanipulationlandschaft. Ich bin mir zwar bewusst, dass sich die Türken (also Osmanen) und die Araber nicht mögen, aber Hagen Rether bringt es so schön auf den Punkt, weil er uns einen Spiegel vor die Nase hält: Haben Sie auch Angst vor dem Islam?

Wenn man die Nachbarländer sieht, ob es in Bahrain oder die Saudis sind, scheint die Uhr auch noch anders zu ticken. Ich bin mir nicht sicher, denn ich war dort noch nie. Es macht aber den Eindruck als hätten sich diese Länder noch nicht so weit gegenüber dem Westen geöffnet. Sie sind vielleicht religiöser. Aber ich glaube, da ist doch Einiges anders als in den Emiraten. Strenger vielleicht. Ich weiß es nicht, ich begegnete dem bisweilen mit Skepsis.

Multikulti

Im Norden von Dubai, oberhalb des Creeks sieht die Stadt ganz anders aus

Was ich an den Emiraten so schätze, ist der Spagat zwischen den Kulturen. In Dubai allein leben über 100 Nationalitäten (Zahlen schwanken stark) und von den 2,1 Mio Einwohner ist höchstens jeder 5. ein Einheimischer (Emirati). Die Zahl ist allerdings schwer zu definieren, denn es gibt z.B. viele Engländer, die in den Emiraten geboren sind und heute dort aufwachsen bzw. die 2. Generation bilden. Was aber dennoch bedeutet, dass man sich in einem Islam-gläubigen Land befindet. Ja, ich fühle mich dort als Ausländer. Nein, ich fühle mich nicht fremd. Ich bin dort Gast, wenn wir auch oftmals gefragt werden, ob wir Locals seien (was jedes Mal ein innerliches Konfetti auslöst, es geschafft zu haben, nicht aufzufallen :D). Ich mag es sehr, diese Mischung aus Vertrautem und Fremden.

Höflichkeiten

Der Burj Khalifa am Abend. Klarer Hotspot für Knipser und Fotografen

Von den arabischen Ländern hört man ja oft schlimme Dinge, also Mythen, die wir Europäer als fast skandalös empfinden. Ob nun die Burka für die Frau oder den Dishdash für den Herren. In der Regel ist der Local aber höflich, oftmals ist es aufgesetzt, besonders im Service. Es grenzt fast an Staatsbeleidigung, wenn sich eine Dame nicht auf einen ihr angebotenen Platz in der Metro setzt. Es kommt in Dubai recht häufig vor, dass Männer für Frauen aufstehen und den Platz freimachen. Selbst wenn der Platz nicht eingenommen wird, setzt sich da niemand so schnell wieder hin. Dies gilt nicht nur für Frauen oder ältere Menschen, sondern auch für Männer mit Kindern. Man fragt gar nicht, man tut es einfach. Interessanterweise scheint nun nach 4 Jahren Metro auch das “Erst aussteigen lassen, dann einsteigen” recht gut zu funktionieren.
Es ist aber kein Paradies der Gepflogenheiten, man ist sich dessen bewusst, dass man mit gutem Service mehr Geld verdienen kann. Ich habe versucht, nur eine Regel mitzunehmen, die man im Islam gern nach außen kehrt: Jeden Tag einem Anderen ein Lächeln zu schenken. Das ist als Griesgram gar nicht so einfach, verändert einen aber in der Person, weil man beginnt, das Positive herauszuschälen.

Die Nationalfahne wird von Dorfbewohnern zum Nationalfeiertag (2.12.) auf die Berge gemelt

Religion

Die Religion spielt dort natürlich eine große Rolle. Jeder, der einmal dort unten ist, sollte unbedingt in Dubai das Sheikh Mohammed Centre for Cultural Understanding besuchen. Es ist die einzig Moschee in Dubai, in die auch nicht dem Islam Angehörige hinein dürfen. Wenn ihr nur die Moschee besucht, werden euch in knapp 90 Minuten viele Illusionen genommen. Zum Beispiel werden in den Emiraten keine Frauen gezwungen sich zu verschleiern. Spätestens nach dem ersten natürlichen Sandbleeching versteht man aber, wieso es Sinn macht, auch für Männer ein Tuch dabei zu haben. Die meisten Vorurteile sind durch Unwissenheit begründet – wie so oft. Dem Moslem ist es wichtig, dass er von Schultern bis Knie bedeckt ist. Dies sollte auch jeder Gast in dem Land tun – aus Respekt. Wenn man sie danach fragt, wie sie herumlaufen, wenn sie nach Europa reisen, erhält man oftmals die Antwort: “Jeans and Shirt – why?”. Warum auch nicht. Ansonsten halte ich es mit dem Islam wie mit dem Christentum: Soll jeder machen, was er möchte, solange er mich damit in Ruhe lässt.

Dubai Jumeirah Beach

Persönliche Veränderungen

Ein wohl sehr auschlaggebender Punkt ist, dass ich vieles in den Emiraten gelernt habe. Ich bin geduldiger und zurückhaltender geworden. Es macht auch einfach keinen Sinn, sich im Mai mitten in der Wüste bei 48-55°C, darüber aufzuregen, dass es viel zu warm sei. Oder dass der arabische Golf mit 36°C einer Badewanne gleicht. Man sollte auch mal fünf gerade sein lassen, sonst wird man schnell unausgeglichen.

Die Emirate boten mir bisher ein gutes Umfeld, um meine Sicht der Dinge auf vieles zu verändern, zu erweitern und zu hinterfragen. Ich bin davon imponiert, wie stolz man auf sein Land sein kann und dies an jeder Ecke zeigt und jeden dazu einlädt, es sich ebenfalls anzuschauen. Sicher eine Eigenschaft die uns Deutschen fehlt, weil jeglicher Nationalstolz mit Rechtsradikalismus gleichgestellt wird.

Wenn auch die Entwicklung von Dubai in den letzten 20 Jahren irrsinnig rasant ist, hätte ich es gern 1991 gesehen. Vor dem Boom. Der Clock Tower ist eines der Wahrzeichen, die man seltener in Reiseprospekten zu sehen bekommt. 40 Jahre steht die Uhr nun dort. Früher war dort nur ein recht sinnfreier Verkehrskreisel – verwirrend aber irgendwie auch charmant.

Der Clock Tower im Stadtteil Deira. Beim Bau vor 40 Jahren war nur die Straße herum vorhanden

Dubai ist nicht alles

Stadtzentrum von Hatta

Wenn ich auch Dubai als Tourist gut kenne (Verfahren mit dem Mietwagen sei dank), so sind es aber nicht die Emirate. Ich kann euch die Fahrt durch die Berge nur empfehlen. Ja, Berge gibt es in der Wüste auch – so wie es in Deutschland mehr als Lederhosen und Kuckucksuhren gibt. Abu Dhabi ist sicher eine Reise wert (Yas Island, die Promenade, Emirates Palace, Capital Gate). Wer allerdings in die Berge Richtung Hatta / Oman fährt, sollte sich von der schillernden Welt verabschieden. Es ist eher so, wie es uns Europäern vorgegaukelt wird: Eine Reise in vergangene Zeiten. Ich mag es. Diese unberührte Karglandschaft, in der außer Bergziegen und ein paar Vögel nicht viel zu finden ist. Wenngleich man sich fragt, wovon in diesen Regionen wohl gelebt werden könnte.

Die Berge sehen ein wenig aus wie Karamell. Tolles Naturschauspiel

Sicherheit

Die Sicherheit in den Emiraten kann und vermag ich nicht beurteilen. In Dubai habe ich mich stets zu jeder Tages- und Nachtzeit, egal in welchem Stadtviertel sicher gefühlt. Immer. Und ja, auch in den Emiraten gibt es Verbrechen. Meistens liest man diese dann in der europäischen Yellow-Press, wenn sonst nichts geschrieben wird. Versteht mich nicht falsch, aber wir können nicht so tun, als würde es all dies bei uns “im Westen” auf einmal nicht mehr geben, nur weil mal wieder irgendwelche Vorurteile bedient werden können. Wie ich eingangs schrieb, ist buchstäblich in den Emiraten nicht alles Gold was glänzt.

Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt

Abschließend

Sowohl die Emirate, als auch Scheich Muhammad bin Rashid Al Maktoum (Premierminister, Verteidiungsminister, Vizepräsendient, Herrscher des Emirats Dubai) haben mich in ihren Bann gezogen. Der Scheich fährt im Emirat Dubai mit der 1 auf dem Kennzeichen rum. Er ist quasi der Admin, wenn man so will (Admins haben meist die Profil-Id 1). Er tut dies ohne Sicherheitseskorte.
Ich finde es spannend zu sehen, wie man in ein Land investiert, seinen Stolz nach außen trägt. Ich fühle mich dort willkommen und man kann schnell eintauchen. Vermutlich kann man sich mit selbiger Geschwindigkeit in den Mist reiten.

Die Etihad Towers in Abu Dhabi gegenüber dem Emirates Palaces gelegen

Auf die immer wiederkehrende abschließende Frage, ob ich mir vorstellen könnte dort zu leben? Ich weiß es nicht, aber vielleicht finde ich es eines Tages heraus. Bis dahin werde ich aber wohl noch etliche Male zu Besuch dort gewesen sein. Insha’Allah.

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