In unterschiedlichen Lebensphasen reflektiere ich mehr oder weniger meinen eigenen Standort. Dies ist manchmal gut und manchmal weniger gut, da das persönliche Vergleichen mit anderen Menschen in den meisten Fällen zu Unzufriedenheit führt und in allen Fällen einfach unsinnig ist.
Während mein Leben sich verändert, der Weg eine Gabelung hat und man sich für eine Richtung entscheidet, kreuzen immer wieder Menschen meinen Weg, die auf einer ganz anderen Route unterwegs sind. Vollkommen wertungsfrei führen diese Menschen ein so fundamental anderes Leben als ich, dass ich im Alltag häufiger darüber stolpere.
So richtig bewusst nahm ich diesen Gedanken kürzlich auf als ich auf einem Schloss beruflich nächtigte. Was sich pompöser anhört als es am Ende war. Das Schloss liegt „am Arsch der Heide“ im tiefsten Brandburg eine solide Stunde südlich von Berlin. Also das ist so gar nichts, dass die nächste Tankstelle etwa 15km entfernt ist. Bei der Straßenführung könnte man durchaus denken, man hätte sich verfahren. Und genau in dieser Einöde treffe ich auf einen französischen Gastgeber.
Was sich so unspektakulär anhört, wie es alltäglich ist, ließ meinen Kopf nicht mehr ruhen. Auf der einen Seite nehmen wir bestimmte Dinge einfach hin, auf der anderen Seite nutze ich diese Vorstellungstechnik, wenn es um Flüchtlingsströme geht. Ich drehe die Situation gedanklich um. Was würde es in mir machen, wenn ich irgendwo in der Pampa in Frankreich in dem Fall, ein Hotel/Schloss leiten würde. Wie findet man sich ein? Welche Eigenarten der regionalen und nationalen Kultur übernimmt man – bewusst oder unbewusst. Wie gut oder weniger gut lernt man die Sprache, was macht es mit einem und findet man am Ende sein Glück in der Fremde?
Die Liste der Beispiele, die ich hier anführen könnte, sind genauso lang und individuell, wie die Menschen um uns herum. Meine afghanischen Nachbarn, die ihre Heimat verlassen haben, um vor Krieg und Armut zu flüchten. Der ältere Herr, der offenbar keinen Besuch bekommt. Die Menschen, die offensichtlich einem Schicksalsschlag erlitten haben. Sie sind alle anders und alle vollkommen individuell, so gleich sie auch auf den ersten Blick erscheinen mögen.
Wir alle haben unsere individuellen Geschichten, die das Leben so schreiben. Und Social Media verwischt dies und synchronisiert alles, damit es vergleichbar ist oder bleibt. Dabei ist der Vergleich ein wahrer Trugschluss. Insbesondere Social Media ist kein Spiegel der Realität. Jeder der eine Badeanstalt besucht hat, wird dies zweifelsohne erkennen können. Und dennoch neigen wir uns dazu mit anderen zu vergleichen.
Nicht immer.
Nicht ständig.
Aber manchmal.
Und dann, dann frage ich mich: Wie sieht es aus, das Leben der anderen?
Foto von Silviu Zidaru auf Unsplash


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