Coca-Cola: Der kleine Geniestreich mit den Etiketten

Der Coca-Cola Konzern hat schon einige erwähnenswerte Kampagnen hervor gebracht. Folgt man der Theorie, dass traditionelle Werbung funktioniert, wenn man 100 Jahre Zeit hatte oder 100 Mio Dollar Werbebudget, dann hat Coca-Cola beides. Mit den umgesetzten Ideen weltweit könnte man vermutlich eine eigene Seite füllen.


Vorab muss man noch erwähnen, dass Coca-Cola in den letzten Jahren sehr viel investiert hat, um aus der “Fleisch verschwinden lassen in 2 Tagen”-Zauberecke zu kommen. Es ist selbstredend, dass man die Marke so positionieren möchte, dass man damit Positives bzw. lustige Momente verbindet. Wer will schon hören, dass das eigene Getränk ungesund ist und massenweise Zucker enthält? Diesen Scheffel hat man glücklicherweise an die Energy-Drinks abgeben können.

Überall Happiness

Enjoy the happiness. Happiness-Machine. Happiness-Vendormachine. Happiness-Truck. Irgendwas mit glücklich sein und Freude teilen. Genau dies waren die Botschaften, die man die letzten Jahre platzierte. Daran ist nichts Verwerfliches, aber es scheint als eine gute Basis für das, was dieses Jahr kam.

Den Konsumenten selbst werben lassen

Bei Warengütern (Fast Moving Consumer Goods) ist es gar nicht so einfach, den Konsumenten ins Boot zu bekommen. Was Coca-Cola hier mit der Etikettierung tut, ist brillant. Natürlich ist die Idee, irgendeinen Namen auf ein Produkt zu drucken, weder neu noch hochtrabend kreativ. Genau dort ist aber der Clou. Der Konsument fühlt sich nicht verkauft. Er fühlt sich nicht benutzt. Er fühlt sich nicht vor den Wagen gespannt um als Werbesau durchs Dorf zu laufen. Der Konsument macht es von allein!

Ich sehe ständig Bilder von Cola Flaschen in verschiedenen Variationen und Größen, mit den Namen der Absender, Kosenamen oder Titeln die eine Verbindung zwischen 2 Personen spiegeln. Auf Twitter, Facebook, Instagram – für umme, wenn man so möchte. Kein großes Media-Spending, keine penetrante Werbung. Es sind nicht Blogger oder PR-Profis – sondern eher die Leute, die sonst gar keine kommerziellen Dinge ablichten. Ich würde behaupten, hier werden auch alte Märkte reaktiviert.

Freundinnen beim Grillen

Ich denke auf diesem Artikel schon einige Wochen herum. Wir waren zum Grillen eingeladen. Auf einmal holt eine Freundin der Gastgeberin 3 Cola-Dosen heraus: “Guck mal Freundin, die habe ich nur für dich mitgebracht”, sagt sie. Ich bin fast vom Stuhl gefallen. Denn genau das! Das ist es! Die drei Damen tranken gemeinsam “ihre” Cola und heben die Dosen auf. Schließlich sind es Freundinnen, wie es auf der Dose steht.

Die Spitznamen sind sehr beliebt. Foto: Romy Mlinzk

Der Konsument wird Teil der Marke

Ein Schlüssel des Erfolgs dieser Kampagne ist sicherlich, dass der Konsument ein Teil der Marke wird. Ich weiß nicht, wie schwer im Konzern gewesen ist, die Idee durchzubekommen. Immerhin verzichtet man hier eine Zeit auf sein Logo. Die Symbiose aus Welle und Schriftzug. Dies ist ein erheblicher Schritt für eine solch große Marke. Als man das letzte Mal versuchte “Coca-Cola” durch “Coke” zu ersetzen, musste man unter Konsumentenbeschwerden zurückrudern. Dies war in den 80ern.

In diesem Fall wird aber der Konsument teil des Produktes und sieht darin dann auch kein Problem, dies zu zeigen. Ich habe z.B. etwas Vergleichbares getan als ich vergangene Woche eine Pizza im Vapiano machte. Und da hier eine solche Verbundenheit herrscht, gibt es nur einen sehr selektiven Hype. Es ist eigentlich kein richtiger Hype, sondern eher ein “Mee-Too”. Und für viele scheinbar die erste Berührung mit Coca-Cola seit einigen Jahren.

Einige Instagram-Bilder die korrekt mit dem Hashtag #meineCoke verortet worden sind

Abschließend

In meinen Augen ist Coca-Cola ein Geniestreich gelungen. Viel besser hätte sich die Marke nicht beim Konsumenten platzieren können als ein Teil seines Lebens zu werden. Wenn auch nur für den Moment, aber mehr geht einfach nicht. Die Idee lebt, wie so vieles, von ihrer Einfachheit. Dies ist nicht nur hierzulande so, in der vergangenen Woche wurden in England die ersten Flaschen gesichtet.

“Wir haben Sie jetzt auch!”
“Wirklich?”
“Ja, hast Du sie auch gekauft?”
“Ja, mit meinem Namen drauf”

Ein typischer Small Talk. Nichts besonderes?

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