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Notebooksbilliger und der Sturm der Weisen

Ich hatte bereits gestern Abend in den Abendstunden über den rasanten Anstieg der Fanpage von Notebooksbilliger.de berichtet. Nicht hier sondern auf der kleinen aber feinen Fanpage vom Blog. Wer die Geschichte noch nicht mitbekommen hat, ganz kurz die Mini-Form: Notebooksbilliger (NBB) hat 1300 HP Touchpads, wollte diese heute über Facebook vertreiben, Ansturm war zu groß, Server verreckt, Aktion gestoppt, Alternative (Verlosung) angeboten, Kommentare geerntet. Shitstorm herbei geschworen. Das war die Kurzform.

Hab ich doch gewusst-Beratung

Es ist natürlich klar, dass auf Twitter als auch in diversen Blogs dies kommentiert wird. Es ging allerdings scheinbar über ein „hätte man doch wissen müssen“ nicht hinaus. Leider. Schade. Gut, aber sich klug hinzustellen gibt nun erst mal Aufmerksamkeit und somit Traffic. Ich spreche da aus Erfahrung. Eine wirkliche Lösung ist es allerdings nicht und was ich in der Tat vermisse: Keiner hat es vollbracht eine Alternative anbieten zu können!

Cihan (@m106) hat es eigentlich für mich auf den Punkt gebracht, irgendwo in den Kommentaren: „Wir haben mit einem Buzz gerechnet und etwa mit einem Zuwachs von 20-30.000 Likes“, schrieb er irgendwo sinngemäß. Im Ernst, auch liebe Agenturleute, wer von euch würde eine solche Aktion mit 80.000 Likes veranschlagen? Hm? Ich lach mich tot! Das kauf ich euch im Leben nicht ab, dass ihr eine Aktion mit 300% Zuwachs kalkuliert. Nie, nie ,niemals! Sich hinterher hinzustellen und zu sagen „Oh das Kind ist in Brunnen gefallen“ – was das für’n Quatsch? Aber gut, im Zweifelsfall kann man meine Einschätzung mit „hat keine Ahnung“ abtun. 😉

Softlaunch

Auch Argumente wie einen Softlaunch sind für mich völliger Humbug. Ein Unternehmen versucht grundsätzlich zu wachsen und sich zu etablieren. Durch Marketing und Werbung versucht man den Absatz zu steigern und die Markenbekanntheit zu vergrößern. Dann habe ich richtig heiße Scheiße auf Lager stehen und sage es niemandem? Interessante Theorie, etwas romantisch für meinen Geschmack, der Stoff woraus Hollywood-Filme sind.

Zahlenkarusell

Letztlich wurde man scheinbar überrollt. Davon gehe ich auch aus, denn ich glaube @Caschy als auch Cihan (@m106) – wobei ich letzteren nicht persönlich kenne. Carsten allerdings schon. Er ist nicht der Typ um hier Tütensuppe zu servieren. Aber was machen?
Die Ausgangssituation ist nun folgende, dass es auch zu einem Aufstand gekommen wäre, auch wenn die Ware wie geplant über den Tisch gegangen wäre. Die Reaktionen wären auch gleich gewesen. Selbst wenn es „nur“ (hierbei von nur zu sprechen ist schön) die geplanten 26000 (lässt sich besser rechnen) neuen Fans gewesen wären, wäre das Verhältnis 1:20 gewesen. Auf einen glücklichen Kunden kämen potentielle 19 „Nörgler“. Ein Risiko, welches man eingegangen ist. Inzwischen ist die Fanpage bei 115,000 angelangt. Das macht einen Zuwachs von 80000 Fans, was 1 glücklichen Käufer und 61,5 potentielle „Hasser“ machtpro Gerät! Was auch nach dem Update heute Mittag heißt, der Zähler hat sich +10000 verändert. Die große Abwanderung, die heute Mittag prognostiziert worden ist, scheint also ausgeblieben zu sein. Fehlprognose?

Aus wirtschaftlicher Sicht ist das kein Zug, der so richtig ins Gewicht fällt. Notebooksbilliger hatte 50% Wachstum vermeldet, was ein angepeilten Jahresumsatz von 450 Mio. ausmacht. 1300 Geräte x 129 Euro macht 167.700 Euro Umsatz. Es ist eine Menge Geld, aber ob das nun dieser Löwenanteil ist, dem der Aktion beigedichtet wird – ich weiß es nicht…

Zwickmühlenentscheidungen

Im Hause Notebooksbilliger hatte man nun die Entscheidung, in welcher Form man die Aktion löst. Es spielt dabei allerdings keine Rolle mehr, wie man es löst. Es macht keinen Unterschied, ob die Geräte verkauft worden wären oder nicht. Das Rumgeheule über nicht erhaltene Hardware ist ein fader Beigeschmack bei solchen Aktionen. Und ja, diesen Beigeschmack den kann man vorher erwarten, mehr allerdings dann nicht.
Die Wahl zwischen Pest oder Cholera ist eben nicht einfach. Die Entscheidung das „Los“ entscheiden zu lassen, ist völlig „fair“ allen Beteiligten gegenüber. Ich finde die zeitnahe und völlig transparente Reaktion als auch die Lösung als einzige richtige Reaktion in der Situation. Ich habe ebenfalls aus viel Bullshitting auch keine Alternativvorschläge gelesen. Mein Lob daher an Carsten, Cihan, Frank und wer da noch im Hintergrund arbeitet. Angriff ist die beste Verteidigung. Jede andere Reaktion hätte zu noch mehr Klugscheißerei der Experten als auch heftigen Reaktionen der Käufer geführt. Aber auch die Qualitätspresse lässt sich nicht lumpen…

Reflektionen

Wer seine Zeit heute damit verbracht hat, dass der Verkauf losgeht, dem sei gesagt: Ja, es ist ärgerlich. Ja, ich hätte mich auch schwarz geärgert. Ja, es geht dir gut, wenn Du sonst keine Probleme hast. Alternativ könnte man das Ding auch bei Ebay kaufen, was die Wartezeit und somit den Verdienstausfall ggf. decken würde. Persönliche Beleidigungen und andere Reaktionen in der Richtung sind teilweise sicherlich den überschäumenden Emotionen geschuldet. Es zeigt allerdings auch, dass man gutes Personal im Hause haben sollte um solchen Situationen halbwegs gewachsen zu sein. Für die ohnehin so zögerliche deutsche Haltung dem Thema gegenüber wird dies vermutlich ein gefundenes Fressen sein um „Social Media“ wegzuschieben.

Die Community-Manager werden vermutlich die Hände über den Kopf geschlagen haben und sich glücklich schätzen, nicht an Ort und Stelle heute gesessen zu haben. Allerdings ist dies auch ein unbezahlbarer Erfahrungsschatz den man nun einsammelt. Erfahrungen sammelt man eben I.d.R. nicht aus Büchern und wenn alles kuschelig läuft.

Glaskugeln

Es bleibt abzuwarten, was nun passiert. Ich bin mir sicher, da draußen gibt es jemanden, der weiß es. Ganz bestimmt. Er wird es uns auch verraten, wenn es dann geschehen ist. Bis dahin, bevorzuge ich allerdings abwarten. Ich kann noch nicht sagen, was in 2 Tagen passiert. Ich weiß auch nicht, was die 80.000 Leute nun machen, wenn 78700 davon definitiv kein HP TouchPad bekommen werden. Ich weiß auch nicht, ob es sich auf den Umsatz auswirken wird – aber ich werde es beobachten, weil es mich interessiert. Eben weil ich aus diesem Fall auch lernen möchte, im Gegensatz zu einer Großzahl an Beratern bin ich nicht allwissend.

Fazit

Eine Antwort, was man hätte tun „sollen“, konnte ich nicht finden. Ich persönlich halte die Entscheidung für völlig richtig und für völlig verständlich. Ich denke, dies kann ein Community-Manager allerdings besser beurteilen als ein Social Media Berater. Die Ausrichtung dazwischen (Ja dazwischen gibt es einen Unterschied, einen grundlegenden) ist zu groß als dass man es mit kampagnenbezogenen Phrasen platt schlagen könnte.

Ich hoffe für Notebooksbilliger, dass die Kurve nach unten nur die Wölbung für den Absprung ist, um die Fanpage richtig abheben zu lassen. Einfach um aus dem „habe ich ja gewusst“ ein „wer hätte das gedacht“ werden zu lassen. Ich würde mir mehr Unternehmen wünschen, die Facebook und co nicht nur kampagnenbezogen ausrichten. Erst letzte Woche schrieb ich, wieso Langzeitwirkungen wichtig sind. Wiesenhof und Nespresso lassen grüßen.

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