Man kann vieles über das Social Web schreiben, behaupten, theoretisieren, glaskugeln oder beschwören. Studien ergeben interessante Fakten, welche allerdings nicht auf unserem Kontinent stattfinden. Wie dem auch sei. Ich habe
(m)eine Theorie: Social Web ist eine “evolutionslogische” Folge.

Es geht hier nicht direkt um “Social Media” oder das Thema in irgendeiner Weise zu hypen, geschweige denn zu sagen “Ja ist gar kein Hype, ist ja nun langsam etabliert”. Es geht nicht um Geld, Likes oder Retweets. Es geht um den Kern, das Zentrum des Konstrukts, es um mich, dich, uns, ihr, sie, um jeden Einzelnen als Individuum und als Gruppe, als biologische Spezies in der Vergangenheiten, Gegenwart und Zukunft.

Die logische Konsequenz der sozialen Netzwerke zeichnet sich in der Schnittmenge aus Geschichte und Zukunft ab. Man könnte nun sagen, das wäre die Gegenwart, ob das philosophisch haltbar wäre, kann ich nicht beurteilen. In den letzten Jahrhunderten brachten immer wieder Evolutionsschritte ein weiteres Puzzle auf den Weg. Zu Fuß, mit dem Pferd, mit der Kutsche lange Zeit bis der industrielle Durchbruch kam und sich die Zeitspannen der Innovationen drastisch verkürzten. Die Eisenbahn, das Auto, Flugzeuge. Der Durchbruch der Schallmauer. Dies sind unsere Mittel um uns in Raum und Zeit physikalisch zu bewegen. Möchten wir dies kommunikativ machen, benötigen wir Hilfsmittel, welche sich ähnlich entwickelt haben. Rauchzeichen, Morsezeichen, das erste Telefax, die erste transatlantische Telefonleitung, Arpanet, Mail, WWW, heute (2.0?).
Lässt man die technologische Evolution auf sich wirken und nimmt die Kommunikation hinzu, ist es schon immer unser Bestreben gewesen, Raum und Zeit zu überbrücken. Aus welchen Gründen auch immer dies für den jeweiligen Einzelnen geschehen mag.

Dieses Web-Dingens ist bei weitem mehr als ein Marketing, PR oder absatzorientierter Kanal. Er ist die evolutionslogische Folge. Die Kommunikationsmittel, die mir als “Mensch” (es wird ja gern mal vergessen, dass es sich hier alles um Menschen dreht), an die Hand gegeben werden erfüllen ein grundtiefes emotionales Bedürfnis. Es bietet mir die Möglichkeit, jederzeit und fast an jedem Ort mit Menschen die mir nahe stehen, mich in Verbindung zu setzen. Ich kann 1000 von Kilometern überbrücken. Das ist im Prinzip nichts neues, allerdings kann ich es im Gegensatz von vor 10-20 Jahren nun auch “zeitversetzt” (wenn vom Telefax absieht). Die Unruhe kommt durch die Masse. Es ist nicht mehr einem elitären Teil vorbehalten, die diktieren können, dass dies oder jenes so oder so zu funktionieren hätte. Nur weil es die Technologie des Telefaxes gab, hatten die Privathaushalte es in den 80er Jahren nicht so, dass man es “flächendeckend” nennen könnte.

Videotelefonie sei dank, kann ich heute Momente miteinander emotional teilen, obwohl man räumlich getrennt ist. Es hat dabei eine Relevanz, ob die Entfernung 3 Meter oder 3000 Kilometer beträgt. Ich bin auch nicht mehr gezwungen “alle” anzurufen, um ein Ereignis (Ankunft, Prüfung etc. pp) zu verkünden. Ich kann dies an einer zentralen Stelle tun. Die Welt ist ein Stück zusammen gerückt. Meine Welt. Deine Welt. Die Welt eines jedem Einzelnen. Sie ist mobil diese Welt, passend auf ein Smartphone oder in ein Notebook. Immer dabei – wenn man das Bedürfnis danach hat. Nicht nur dass ich diese Welt mit mir herumtrage und fast jederzeit abrufen kann, es ist nun auch Jedermann möglich zu publizieren. Ich kann damit konsumieren wann, was, wie und wo ich möchte. Ich bin Sender um Empfänger, oder nur Sender, oder nur Empfänger.

Ich, aber auch Du, der diesen Text liest. Wir sind nur die Spitze des Eisberges. Die Early Adopter einer Evolutionsfolge. Ob dies wirklich so tiefgreifend ist und so mächtig, wie es einem manchmal vorkommt – das werden wir bald wissen. In 10 vielleicht auch erst in 20 Jahren. In Zeiten wo der KFZ-Mechaniker und die Krankenschwester gerade erkennen, dass Sie in ihrem Umfeld ohne Smartphone, Facebook und Mail “nicht mehr mitreden” können, findet ein Umbruch statt.

Wenn ich einen Blick in die Zukunft werfe, sind einige Vorläufer bereits in Sicht und nicht wirkliche Hexerei. Social Commerce ist sicherlich ein Thema, welches bereits in diesem Jahr aufgelegt werden wird. Die Schnittstellen sind in den Entwicklungsschmieden am köcheln und auf dem Weg zum Rollout. Es wird in 5 Jahren vermutlich mehr Umsatz über das Social Web gemacht als sonst irgendwo jemals zuvor. Es gibt sich einfacher das Geld aus, wenn ich mich wohl fühle. Das Social Web wird, und das tut sie schon heute, eine Brücke in die “reale” Welt schlagen. Es wird noch mehr zerfließen wie es es heute schon tut. Um dies zu erkennen, braucht man kein wirklich schlaues Köpfchen zu sein.

Es war schon immer das Bestreben des Menschen, zu kommunizieren und der Nachwelt etwas zu hinterlassen. Angefangen bei Höhlenmalereien und endend in einem 140 Zeichen Tweet?

Der Auszug aus der Homo Connectus-Studie besagt, dass Markenführung im digitalen Zeitalter echtes menschliches Beziehungsmanagement sind. Vielleicht muss man sich auch einfach auf seine Grundinstinkte verlassen, um in den Zeiten der Gegenwart auch in der Zukunft bestehen zu können. Ein riesiges und spannendes Thema welches auf uns zurollt. Vielleicht kommt die digitale Revolution, die sich einige bereits 2008 auf die Fahne schrieben ja noch – in den nächsten 5 Jahren. Eine Frage der Evolution.

6 Responses

  1. Christian

    Social Web ist auch eine Frage der Generation. Wenn ich zum Beispiel meine Mutter frage, was sie über Facebook denkt, fragt sie mich was das ist. Stelle ich die gleiche Frage einer Person aus meinem Alter, oder sogar noch jünger, so bekomme ich eine gescheite Antwort. Da wir jetzt momentan damit leben und die jüngere Generation damit aufwächst, ist es für diese und uns ganz normal das Social Web zu nutzen. Irgendwann wird jeder einen Account bei Facebook oder Konsorten besitzen, da es ganz normal ist – eben wie eine SMS.

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  2. Jasmina

    Ein toller Artikel – ich glaube, die Punkte Bedürfnisbefriedigung, Schnelligkeit und Überwindung von Raum treffen die Begründung dieser Entwicklung sehr gut. Drehen wir die Uhr doch mal 10 Jahre zurück – da war es gerade mal “normal”, dass jeder einen PC mit Internetanschluss zu Hause stehen hat. Bis es für alle “nach” den Early Adopters alltäglich ist, das Social Web zur Kommunikation zu nutzen, wird noch eine Weile vergehen – gerne auch 5 Jahre. (So normal es für uns auch jetzt schon ist). Den Umbruch wird es meiner Meinung nach in jedem Fall geben. Aber damit einher werden auch stärkere und flächendeckendere “Anti-Bewegungen” gehen.

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  3. Parkrocker

    “Ich bin auch nicht mehr gezwungen “alle” anzurufen, um ein Ereignis (Ankunft, Prüfung etc. pp) zu verkünden. Ich kann dies an einer zentralen Stelle tun. Die Welt ist ein Stück zusammen gerückt. Meine Welt. Deine Welt. Die Welt eines jedem Einzelnen. Sie ist mobil diese Welt, passend auf ein Smartphone oder in ein Notebook. ”

    So grob formuliert, möchte ich das nicht unkommentiert lassen. Ich denke, Du kannst manche Sachen aktuell für einen bestimmten Personenkreis zentral verkünden, erreichst damit aber genau so wenig “alle” die Du kennst, wie die Welt “jedes einzelnen” enger zusammengerückt ist. Noch bezieht sich das meiner Ansicht nach auf einen relativ kleinen Kreis an Leuten, die sich schon sehr früh für diese Themen begeistert haben und Leuten, die das gerade erst vorsichtig entdecken.
    Wie meine Twitter-DM heute morgen aus der Bahn an Dich: Du magst doch nicht behaupten, dass z.B. sowas schon von der Allgemeinheit aktzeptiert ist? 🙂

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    • Kai Thrun

      Es gibt auch Menschen, die haben bis heute kein Mobiltelefon. Natürlich gilt es nur für den Personenkreis, der sich damit beschäftigt, aber es sind bei weitem nicht mehr “nur noch” die Geeks. Die Generation vor uns ist im Anrollen mit mehr oder weniger großen Schritten.
      Übrigens wird “von der Allgemeinheit” niemand diesen Blog lesen 😉

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  4. ChrisHeil

    Spannender Artikel.
    Manchmal glaube ich: So sozial wie das Web noch wird, muss der Mensch auch erstmal werden. Ein Paradoxum. Sozusagen.

    Auf (noch mehr) Social Commerce bin ich gespannt; besonders ob dieses “social” dann auch etwas mehr Transparenz und Fairness mit sich bringt.

    Und zum ‘Umbruch’: Kein Plan ‘wer’ den ‘wie’ messen will,… aber Kollegen, Freunde, Familie,…die sind ALLE längst “drin” 😉

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