Ich arbeite gerade ein Buch durch, welches sich um Ideen dreht. In diesem Buch kommt eine These vor, die mir oft auch oft bei Bloggern auffällt. Die Autoren Dan & Chip Heath beschreiben dieses Phänomen als »curse of knowledge« – frei übersetzt »Unheil des Wissens«. Eine interessante Theorie, die auf junge Blogger sehr oft zutrifft und wo erfahrene Schreiber sich sicher erinnern werden.

Es steht schon im Internet? Kein Grund für eine Euphoriebremse


Curse of knowledge beschreibt das Verhalten, wenn man etwas weiß. Die These ist also grob beschrieben, dass sich der Mensch anders verhält, wenn er eine Tatsache weiß. Es ist nicht einfach sich von diesem Verhalten freizumachen und erfordert eine Menge Übung – zumindest wenn man Ideen kreieren will oder muss.

Angenommen der Vorgesetzte kommt um die Ecke und braucht eine frische Idee für die Facebook Fanpage. Ihr werdet in den meisten Fällen einen eingeschränkten Blickwinkel haben, denn euch ist bekannt, was der Wettbewerb so macht. Das wollen wir auf keinen Fall machen. Wir sind also schon gehemmt, bevor wir überhaupt angefangen haben.

Beim Bloggen gibt es das auch. Es ist die irreführende Illusion, dass der Leser – also Ihr – genau die gleichen Artikel lest, wie ich als Autor. Besonders deutlich wird dies, wenn man von “benachbarten” Blogs spricht. Eben Autoren, die sich einen Teil ihrer Leserschaft teilen oder gar zuschupsen. Wer von euch hat schon mal damit gehadert oder einen Artikel nicht veröffentlicht / geschrieben, weil er in ähnlicher Form bereits in einem Blog steht, den ihr lest?

Gerade unerfahrenen Bloggern kann geholfen werden. Legt es ab. Ihr sollt die Artikel nicht kopieren, aber ihr könnt sie ggf. anreichern oder darauf aufsetzen. Ich habe bei XY gelesen, dass … ich bin damit nicht einverstanden … mir fehlte … – dies ist nur eine Möglichkeit, um das Problem in den Griff zu bekommen. Eine weitere Möglichkeit ist, den Artikel runter zu schreiben und abzulegen. Es ist eine gute Möglichkeit um Content für flaue Zeiten zu horten.

Wer jetzt denkt »aber XY (ein Blog, das ihr lest) hat doch schon über dieses Plugin, Video, Produkt bereits geschrieben«, seid ihr erneut in die Falle getreten. Im Übrigen hängt damit noch ein Irrglaube zusammen, den ich aber erst in den kommenden Wochen angehen möchte.

Ein gutes Training diese Denkblockade abzulegen ist der Webmasterfriday. Er hilft dabei, sich einem Thema zu widmen, worüber andere auch schreiben. Wenn die Themen nichts für euch sind, dann lasst sie einfach aus. Ihr solltet in den Wochen, wo ihr nichts schreibt, einige Artikel lesen (sofern das Thema nicht völlig aus eurem Spektrum fällt). Dies fördert die Übung, ein Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

Im Laufe einer Internet-Vollschreiber-Karriere solltet ihr dieses Verhalten ablegen, sonst steht ihr euch viel zu lang selbst auf den Füßen. Das »Mist, der hat darüber geschrieben« wandelt sich in ein »Ach ja, darüber wollte ich auch noch schreiben«.

PS: Dieses Verhalten tritt übrigens nicht nur beim Bloggen auf 😉

4 Responses

  1. Bohn

    Das Thema ist wirklich interessant, zumal das “Problem” tatsächlich häufig vorkommt. Auch ich mach mir hin und wieder dazu gedanken. Vor Allem dann, wenn ich eine Idee hab, sie mir notiere und ANSCHLIEßEND jemand schneller ist. Dann hab ich echt schon das ein oder andere verworfen, was eigentlich dämlich ist. Alleine schon deshalb, weil es ja nicht heißt das wenn jemand darüber bloggt, das alle meine Leser auch dort schon darüber gelesen haben.

    Aber ich will nicht zu viel kommentieren. Sonst hab ich kein Stoff mehr für einen Artikel, den ich Anfang kommender Woche dazu mal schreibe 😛 Ob ich dich dabei erwähne, muss ich mir aber noch gründlich überlegen 😛

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    • Kai Thrun

      Ja ich habe es in der Vergangenheit auch schon gemacht. Und in der Tat – es ist dämlich. Aber so ist das nun eben, wenn man bestimmte Verhaltensmuster nicht wahrnimmt.

      Ich bin gespannt, ich freue mich schon darauf – unabhängig davon, ob ich erwähnt werde. Zur Not kann ich ja noch die Kommentare trollen. Das bleibt mir ja völlig unbenommen.

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  2. Schaeumer

    Das dies besonders bei noch am Anfang sehenden Bloggern häufig vorkommt, will ich glauben, wurde doch über fast jedes Thema schon mal etwas geschrieben. Aber ich mache es genau wie beschrieben, schreibe es runter und überarbeite und veröffentliche es dann später.

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  3. Hamza

    Interessant. Gerade vor einiger Zeit habe ich mir Gedanken darüber gemacht und bin zum selben Entschluss gekommen. Wer immer noch nach einer Nische sucht, worüber noch niemand etwas geschrieben hat, kann wohl noch lange suchen…

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