Warum deutsche Unternehmen nichts von Twitter wissen

Unternehmen in unserem Lande tun sich flächendeckend schwer mit diesem mächtigen und schnellen Kommunikationstool. Den Trend seit 2007 komplett verpennt und mit ratlos gepressten Händen in den Taschen dastehend. Nur vereinzelte Unternehmen haben es verstanden mit dem Medium umzugehen und somit auch die Zielgruppe zu verstehen. Bedauerlicherweise sieht das Allgemeinbild eher trostlos aus.

Der Löwenanteil der Unternehmen hat es bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verstanden, dass Twitter ebenso wie Blogs zu den Zwittern gehört. Eine Symbiose aus Marketing und Kundenbindung. Wer es versteht die Kundenbindung auszubauen, wird darüber hinaus noch Community Management nachschieben müssen. Letzteres dürfte als durchaus positiver Effekt gewertet werden, aber in diesen Genuss kommen nicht viele.

Die falsche Einstellung

Die Timeline als RSS-Ersatz - ein überflüssiger Ansatz

Es beginnt mit der falschen Einstellung oder besser gesagt, mit der Fehleinschätzung von Twitter. Twitter ist kein Instrument für plumpes Marketing. Es ist nicht gleich zu setzen mit Performance oder Affiliate Marketing. Es ist auch kein Flyer oder Newsletter, den ich bei (un)interessierten Menschen hinterlassen kann. Es gibt auch keinen Streuwert von „guten“ 2-3%. All das ist Twitter nicht. In sinnlosen Accounts wird Potential weggeworfen. Wer einen Blog sein Eigen nennt, wird es via Twitter Tools und WordPress geschafft haben sinnfreie „New Blog Post:“-Einträge abzusetzen. Evtl. kommen noch Angebote aus einem Shop dazu. Ich kann es nur immer und immer wiederholen: Understand your customer!
In der Regel passiert dies schlichtweg nicht, dies wird anhand dieser Accounts ganz klar deutlich. Denn Twitter lebt von der Relevanz, die Relevanz des Einzelnen. Und damit haben viele einfach Probleme, dabei ist es „easy to use“ wie es Denglisch so schön heißt.

Die Symbiose

Twitter ist für Unternehmen eine Symbiose aus Marketing und Kundenbindung. Das Problem, vor welches sich viele Unternehmen stellen: das Feedback erfolgt unmittelbar – was eigentlich ein riesiger Vorteil ist. Ich brauche nicht lange Warten bis ich für Fehltritte, den selbigen vor’s Schienbein bekomme. Eine Art interaktiver A/B-Test in Echtzeit, wenn man so will.

Die Möglichkeiten

Twitter bietet viele Möglichkeiten. In erster Linie muss man die Authentizität wahren. Darüber hinaus sollte man, wie in jedem Medium, einen Mehrwert bieten. Dieser kann auf unterschiedlichste Art erfolgen. Der Mehrwert ist nicht ein „Blogposting“-Wasserfall oder „Angebote“, diese Dinge kann ich über RSS oder anderen Medien eleganter empfangen. Ich kann aus der Reihe agieren. Ein paar Beispiele (fiktiv), die zur Veranschaulichung dienen sollen:

  • Ein Cafe kann Interaktiv mit der Kundschaft kommunizieren (spontane Aktionen – story telling/viral).
  • Ein Freelancer kann auf sich aufmerksam machen, durch Links, Hilfe, Tipps und Tricks (Kompetenz).
  • Unternehmen können dem Kunden „Hilfe“ anbieten, z.B. wie man seine Hemden am Besten bügelt oder wie die Strumpfhose länger hält (Service).
  • Oder welche Wolle ich für welchen Pullover nehme. Welche Grafikkarte in meinen PC passt und aus welchen Gründen ich, dieses oder jenes Produkt wählen sollte (Service – daraus wird virales entstehen!).

Dies sind aber nur aus der Luft gegriffene Dinge. Entscheidend dabei ist, eine gewisse Relevanz gegenüber der Audienz zu schaffen. Denn mir wird nur jemand (sinnvoll) folgen, wenn ich sein Interesse erwecke. Privatpersonen aufgrund Ihres Jobs, Ihres öffentlichen Interesses, weil sie Trendsetter sind oder immer für “mich” interessante Links ans Tageslicht holen. Zuletzt aber auch weil mir die Schreibweise oder eine Einstellung des „Vogels“ gefällt.

Die Reichweite

Die Reichweite von Twitter ist eine Zahl, die man derzeit nicht wirklich messen kann. Ich kann sicherlich wilde Formeln aufstellen, wahre Zahlen werde ich leider nicht bekommen. Denn Twitter bildet im Laufe der Zeit auch eine Reputation. Ein bisschen Community Management, ein wenig Social Media und eine Priese Marketing.
Einen direkten Erfolg kann man aus einem ReTweet ableiten. Somit vergrößert sich auch die Zahl der Empfänger.

Meine Follower + Follower vom ReTweet – gemeinsame Follower = erreiche Leute.

Eine Milchmädchenrechnung, die ich so im Raum stehen lasse (über Sinn oder Unsinn vermag ich jetzt nicht zu debattieren).

Zurück zum Punkt Reputation. Twitter wird im langfristigen Bereich (Webzeit nicht Geschäftsjahre) über indirekte Umwege zum Marketing-Instrument werden. Die höchste Form der Belohnung dürfte ein Story Telling sein, welche sich im Warenkorb / Auftrag oder Branding niederschlägt.
Wer mir folgt, wird die Gespräche mit der @EuroWebGroup verfolgt haben. Daraus resultieren kleine kostenlose Dinge:

  1. Reputation
  2. Verbesserung der eigenen Arbeit („Bug Fixing“)
  3. Kostenloses Marketing – u.a. durch die Nennung in diesem Artikel
  4. Branding – meine Freunde kennen EuroWeb nun auch

Dies ist sicherlich nur ein „kleines“ Beispiel. Ich denke aber, man kann das ganz gut auf ein größeres Unternehmen hochziehen. Immerhin bin ich hier nur ein 1-Mann-Dorf-Blogger – nichts weiter. Diesen Artikel werden in den ersten 24 acht Stunden über 100 Menschen lesen (oder mehr, dass hängt von euch ab!). Und Euroweb hat nicht einen Cent noch irgendwelche Anstalten aktiv für diese Nennung unternommen. Ich hoffe, es wird deutlich, was ich ausdrücken möchte. Den Backlink gibt’s kostenlos oben drauf.

Ich könnte dieses Beispiel für einige Branchen „richtig“ austoben. Dies würde aber durchaus den Rahmen sprengen. Ich hoffe, der ein oder andere hat nun die Möglichkeiten, die sich ihm durch Twitter bieten mit ein wenig Weitblick erkannt. Und für die Skeptiker: Auch eine Performance-Kampagne kann richtig in die Hose gehen und die kostet bare Münze. Alles kann nichts muss.

(Exkurs: Das schönste Beispiel, welches ich je über Story Telling hörte kommt von Seth Godin: Niemand braucht Nike-Reifen auf einem Hummer2. Hat es aber in den USA gegeben.)

Ich kann mit einem Messer Brot schmieren. Ich kann damit aber auch schnitzen, schneiden, Löcher stechen, die Luft aus einem Reifen lassen. Der Kreativität sind in beiden Fällen kaum Grenzen gesetzt und die zahlreichen Services rund um Twitter tun Ihr Übriges.

Viel Erfolg beim Probieren. Fragen? Fragen! Über euer Feedback würde ich mich in den Kommentaren freuen.
Danke!

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