Wer sich mit „Social Media“ beschäftigt, wird sicher viele erfolgreiche Menschen, Kampagnen und Ideen ausfindig machen. Aber „Erfolg“ mit Social Media im klassischen Sinne gibt es nicht. Ich kann nicht „erfolgreich“ twittern. Bei dieser etwas reduzierten Sichtweise fehlt ein bestimmter Faktor: das beworbene Produkt oder die Dienstleistung.

Social Media wird häufig falsch betrachtet. Um es in ein Wort zu fassen und das ist keine Neuigkeit, Social Media ist ein Katalysator. Wikipedia schreibt hier zu ganz anschaulich:
Katalysator (von der Katalyse, griechisch, katálysis – Auflösung mit lateinischer Endung) bezeichnet in der Chemie einen Stoff, der die Reaktionsgeschwindigkeit einer chemischen Reaktion erhöht, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Dies geschieht durch Herabsetzung der Aktivierungsenergie. Katalysatoren ändern somit die Kinetik chemischer Reaktionen, ohne deren Thermodynamik zu verändern. Sie beschleunigen die Hin- und Rückreaktion gleichermaßen und ändern somit nichts am Gleichgewicht einer Reaktion. (Quelle: Wikipedia)

Für mich stehen in dem Text gleich zwei signifikante Merkmale:

  1. die Erhöhung der Reaktionsgeschwindigkeit
  2. ohne sich dabei selbst zu verbrauchen

Aus der Masse hervorstechen
Natürlich kann man mit Social Media eine erfolgreiche Kampagne fahren. Genauso wie ich mit anderen Medienformen einen Erfolg verbuchen kann. Dies hängt aber genauso von den Rahmenbedingungen ab, wie sonst auch – dies scheint mir gern vergessen zu werden.

Die Fehler liegt „an der Basis“. Der Fokus liegt stärker denn je(?) bei dem Produkt, welches ich verkaufen möchte. Social Media ist nichts weiter als ein Beschleuniger. Die gern unterschätzte Gefahr: in beide Richtungen! Wenn mein Produkt schlecht ist, werden die Netzwerke dafür sorgen, dass es schneller floppt. Ich denke, ein gutes deutsches Beispiel braucht man dafür nicht mehr namentlich nennen. Andererseits springt mein Image oder ggf. Absatz in die Höhe, wenn mein Angebot gut oder besser ist. Wer seine Hausaufgaben in Ruhe gemacht hat, wird zu einem guten Produkt darüber hinaus einen weiteren Vorteil für sich gewinnen: Verbesserungsvorschläge der Community.

„Erfolgreich mit Social Media“ – so heißt sicherlich irgendein Buch (habe es nicht geprüft, aber irgendwer wird es sicher geschrieben haben). Man könnte auch schreiben, „Erfolgreich mit Adwords“ – wenn meine Landingpage dahinter jedoch völlig Banane ist, freut sich eigentlich nur Google. Es ist daher umso wichtiger, dass im Vorfeld das Produkt mit guten Eigenschaften, Design und einer umfangreichen Geschichte in die Netzwerk gestreut wird. Social Media ist eben nicht die Display Werbung in einem sozialen Netzwerk.

Fazit

Wenn dein Produkt rockt, besteht die Möglichkeit in der Community abgefeiert zu werden. Ist dein Produkt mies, wird sich die Zeitspanne, bis es vom Markt fliegt sich dramatisch verkürzen.
Sicherlich gibt es erfolgreiche Kampagnen im Social Media-Umfeld. Die Fragen, die sich dabei aufwerfen sind: wie gut ist das Produkt dahinter? Und die am häufigst vergessene Frage: Was ist die Geschichte?

Kai Thrun
Autor

Hallo, ich bin Kai - der Autor dieses Blogs. Ich setze mich mit Kommunikation auseinander und halte meine Erfahrungen und Gedanken in diesem Blog fest. Ein Mensch widmet sich in seinem Leben jedoch mehr als einem Thema. Daher findest Du in diesem Blog vielleicht auch Themenwelten, die auf den ersten Blick nicht zusammen passen.

10 Kommentare

  1. Wie wahr, wie wahr ;o} Leider erlebe ich in meinen Trainings oft, dass diejenigen die das verstanden haben, ein Training bei mir gar nicht so unbedingt bräuchten (also natürlich brauchen sie´s doch, gibt ja noch mehr zu lernen da ;o) und die anderen – die die das einfach nicht wahr haben wollen, dass Social Media Marketing nichts mit klassischem Marketing über neue Kanäle zu tun hat – schalten meist gleich zu anfang auf Durchzug und fragen am Ende eines Seminartages immer noch „Wie funktioniert denn jetzt eine gute Social Media Kampagne“ oder noch besser „Und was kostet das nu, wenn Sie mir eine schöne Social Media Kampagne machen?“ *drehaugengenhimmel*

  2. @Angie Meine Wahrnehmung ist, daß gern in einen Topf geworfen wird, daß Social Media einerseits ein dauerhaftes Engagement bedarf – andererseits aber aber auch kurzfristig sehr aufmerksamkeitsstarke Kampagnen über die dabei verwendeten Plattformen gefahren werden können. Darauf beschränkt sich dann scheinbar die Sichtweise.

    Dauerhaftes ist ja auch viel ‚teuerer‘, weil es ein Umdenken und Dranbleiben bedarf und das will niemand wahrhaben.

    • Kai Thrun

      Danke für den Hinweis, werde ich mir mal in Ruhe anschauen. Sah auf den ersten Blick so aus, als stecke verdammt viel Wahrheit drin. „Thx 4 sharing“ 🙂

  3. Erfolg ist doch nie eindimensional und verlangt schon im Vorfeld nach einer Definition von Zielen – das gilt meiner Meinung nach genauso für das klassische Marketing wie für Social Media.

    Mit Social Media sind allerdings neue Möglichkeiten der Zielsetzung hinzugekommen, die klassisches Marketing in der Form nicht erlaubt. Gemeint ist die damit die Möglichkeit einer direkten Kommunikation über Plattformen wie Facebook oder Twitter. Setzt sich ein Unternehmen hier das Ziel mit seinen Kunden ins Gespräch zu kommen, kann auch ein direkter Erfolg erzielt werden.

    Nicht immer geht es darum Produkte zu verkaufen. Es kann auch darum gehen Nähe zur Marke zu vermitteln, Fragen zu beantworten und die Wünsche der Kunden zu erfahren.

    Ich denke wer das verstanden hat, der kann mit Social Media durchaus Erfolg haben.

  4. Schöner Beitrag, den ich in diesem Kontext voll zustimme!
    Ich bin ebenfalls überzeugt, dass Social Media nicht als einzelne Kommunikations-Maßnahme wie klassiches Online-Marketing oder vkf definiert und bemessen werden sollte. Social Media ist ein Selbstverständnis an das Kommunikationsverhalten zwischen Unternehmen und dessen allen beteiligten Menschen.
    Wer also Social Media „nur“ auf tolle und kreative facebook-Kampagnen und Applikationen mit viel Action und Features reduziert und sich darauf konzentriert, dies als Erfolg zu messen, wer die meisten „Fans“ oder „follower“ dadurch generiert, der hat Social Media nicht verstanden. Nicht die programmierten Apps und tollen Grafiken sind entscheidend, sondern ob ich mich als Unternehmen wirklich auf die Menschen, – auch persönlich – einlasse, ernsthaft zuhöre und ehrlich sowie stetig mit ihnen spreche. Und: Tun das die Menschen auch mit dem Unternehmen. Letzteres fördert einen Erfolg! (wie auch immer dieser definiert ist)

  5. Sehr guter Artikel!
    @Angie: die Frage „und was kostet jetzt eine gute Social Media Kampagne?“ habe ich auch schon einige male gehört. „Social Media“ kann man sich nicht erkaufen, das ist immer viel Arbeit, und es funktioniert aus meiner Sicht nur, wenn die Unternehmen authentisch und sehr aktiv teilnehmen. Ein gutes Produkt ist immer die Vorraussetzung, und würde ich spontan als „klinischen Faktor“ bezeichnen – stimmt das Produkt nicht, dann lasst bitte die Finger von Social Media!

  6. Gut auf den Punkt gebracht – leider wird social media oft falsch verstanden oder falsch prkatiziert. Dann ist viel viel Arbeitszeit umsonst. Es gibt dazu auch gute Informationen bei Wikipedia.

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