Geschafft: 90 Tage Sport am Stück

In stillen Momenten habe ich nicht ganz helle Ideen, wie zum Beispiel eine Sport-Challenge. Nur mit mir selbst. Ziel war es 90 Tage lang jeden Tag Sport zu machen. Einfluss auf meine Nahrung wollte ich aber nicht nehmen.

Vorgeschichte

Es gibt zu dieser Geschichte nicht mehr zu sagen. Ich war wieder etwas sportlich aktiver und hatte mir einen neuen Trainingsplan von runstastic results erstellen lassen. Der Plan geht 12 Wochen und ist kostenpflichtig (Gold-Mitgliedschaft). Ich hatte mich für runstastic results entschieden, da ich Freeletics bereits zweimal abgebrochen habe. Ich finde die Übungen bei Freeletics nicht so ansprechend und das Programm teilweise zu intensiv, dass es mir keinen Spaß macht.

Da der Trainingsplan anfangs recht überschaubar war, lief ich nach dem Training noch 5,5km. So kam mir recht schnell die Idee, dass ich jeden Tag Sport machen könnte. 12 Wochenlang – 90 Tage, bis der Plan eben ausgelaufen. Es macht aus rein sportlicher Sicht keinen Sinn, denn jeder weiß: Never skip rest day! Manchmal muss man aber auch unvernünftige Dinge tun und so begann ich die Geschichte in meiner Instagram Story zu dokumentieren.

Die ersten Tage und Wochen

In den ersten Tagen machte ich einfach Sport. 5x die Woche runtastic results, 2-3x laufen und 2x die Woche Fußballtraining. Die Wette mit mir selbst, war ja, Sport zu machen und nicht sich täglich komplett zu verausgaben. Die Euphorie war riesig, denn ich hatte richtig Lust. Ich muss aber auch gestehen, ich habe nicht wirklich daran gedacht, dass ich es durchziehe. Insgeheim war mir klar, nach etwa 2,5 Wochen werfe ich hin.

Irgendwie habe ich mich durch diese Phase gemogelt und war überrascht. Es machte nicht immer Spaß und in den ersten 30 Tagen gab es auch kritische Stimmen. Ich solle es nicht übertreiben, mich mal wieder einkriegen oder wem ich denn was beweisen wolle. Ich nahm die Kritik als weitere Motivation und zog es weiter durch.

In den ersten 30 Tagen lief es gut, aber ich war häufig müde. Der Stress auf den Körper waren nicht ohne. Es zeigten sich auch die ersten Resultate. Muskeln wachsen bekanntlich schneller als Fett abgebaut wird, ergo ging ich erst einmal auseinander.

Neue Grenzen definieren

Es war etwas ernüchternd, als das Fett langsam verschwand. Ich mein, man wird dann einfach dünner. Die Kleidung beginnt nicht mehr zu sitzen. Die meisten Poloshirts konnte ich in der Zeit an Tag 40-50 aussortieren. Sie waren zu kurz geworden.

In dieser Zeit verschob sich meine Schmerzengrenze komplett. Es war an Tag 38, wo ich gegen 23:20 Uhr das Training begann und kurz nach Mitternacht beendete. Es klingt etwas krank, aber aufgeben war einfach keine Option mehr. Ich war erst so spät von einer After Work Party in einem unserer Häuser gekommen. Dies verschob meine eigene Komfortzone komplett, denn wenn ich um die Uhrzeit noch den Hintern hochbekomme, was sollte mich noch aufhalten? Ich kann es euch sagen: Das Sommerfest.

Der Tag nach dem Sommerfest hatte ich noch eine gewisse Menge an Rest-Gin in mir. Das letzte Glas muss schlecht gewesen. Der runtastic results Plan sah je 100 Jumping Jacks für 4 Runden vor. Ich habe gedacht, das schaffst Du niemals. Ich kann nicht mal mehr sagen, wieso ich es dennoch probiert habe. Ich bin überrascht, wozu der menschliche Körper in völlig desolatem Zustand in der Lage ist. Eine tolle Erfahrung, weit über seine Grenzen zu gehen.

Das große Finale rückt näher

Das große Ende dieser Challenge sollte der Halbmarathon im Disneyland Paris werden. Ich hatte mich dazu etwa nach 2 Wochen der Challenge angemeldet und konnte es kaum fassen, dass Tag 90 und der Lauf auf einen Tag fallen. Es bedeutete für mich aber auch, neben dem Krafttraining mehr Läufe zu absolvieren. Die längeren Läufe (alles über 10km) brauchen aber Zeit und so begann ich mir eine Runde zu suchen, die länger war. Eine Runde über die umliegenden Orte hier. Dabei musste ich auch einen Lauf über 22,5km bei Kilometer 20 abbrechen. Es war am 28.07. und es waren 26°C bei Sonnenschein. Ich wäre gern den Rest nach Hause gegangen, aber ich hatte mich völlig verausgabt. Ich habe auf dem Bürgersteig gesessen und mich einsammeln lassen. Bemerkenswert für mich war, dass ich dies gar nicht als Niederlage einsortierte, sondern völlig klar war, dass ich es beim nächsten Mal Schaffe.

Ich verkürzte die Strecke um ein Dorf und lief vier Wochen später die Strecke von 17km durch. Ich beschloss, dass ich mich auf die Strecke konzentrieren würde und lief sie erneut in umgekehrter Richtung. Was für eine Idee, denn es kostete mich mentale Arbeit, nicht umzudrehen oder aufzugeben. Die Pace fiel dabei das erste Mal unter 6 Minuten (yeah!).

Gleichzeitig intensivierte sich der Trainingsplan in dieser Zeit von Woche zu Woche. Die Sache ist, die Übungen zeigen eben auch ihre Wirkung. Ich kann euch sagen, wenn ihr das erste Mal eure seitlichen Bauchmuskeln entdeckt: Freude, große Freude!

la grande finale

Am 24. September war es dann soweit. La grande finale im Disneyland Paris. Ich bin in der Woche davor nochmal etwas gelaufen und habe die beiden Tage davor nur leichtes Training absolviert (20 Minuten Oberkörper). Ich war den Samstag nicht sicher, ob ich die Strecke schaffe. Ich fühlte mich nicht ausreichend vorbereitet. Außerdem war ich den ganzen Tag im Park unterwegs und etwas platt. Kürzen wird es: Ich bin mit 1:58:00 eine neue Bestzeit gelaufen und es war ein großartiges Erlebnis! Ich plane im nächsten Jahr wieder dabei zu sein. Ich habe alles über den Lauf, in einem eigenen Artikel festgehalten.

Veränderungen

Was hat sich in 90 Tagen getan, ist die Frage aller Fragen. Vieles. Ich bin nicht nur etwas schlanker geworden und sehe halbwegs sportlich aus. Die Grenzen meiner Komfortzone sind völlig neu definiert. Mein Auftreten hat sich verändert, die eigene Wahrnehmung ist anders. Ich fühle mich wohler und erfreue mich einer gewissen Körperhaltung. In meinem Kopf spielt sich »Unstoppable« aus unreal Tournament ab.

Im Kopf hat sich viele verschoben und muss neu sortiert werden. Ich bin beim Lauf an meine Grenzen gekommen. Ich habe irgendwann aufgehört Übungen abzubrechen, egal wie lange es gedauert hat. Wenn im Plan 5x 20 Burpees stehen, dann mache ich die, auch wenn es gefühlt eine Ewigkeit dauert. Ich habe gelernt, mich besser zu fokussieren. Ich bin aber auch gelassener geworden und muss mich weniger messen. Die Besinnung auf die eigenen Stärken und das Vertrauen in das eigenen Können, lassen einen scheinbar entspannt zurück.

Die Kunst liegt nicht darin, fit zu werden oder abzunehmen. Die Kunst wird es sein, dass Erreichte auch zu erhalten. Ich denke, das wird doppelt schwer. Immerhin habe ich mich die letzten 3 Monate von Döner, Pizza und Currywurst ernährt. Ich denke laut darüber nach, dies zu ändern – auf den Schock erst mal einen Burger! .
Abschließend möchte ich sagen, ich freue mich sehr darüber, dass ich Menschen inspiriert habe. Ich drück euch die Daumen und wenn es mal nicht so läuft, schaut in meiner Instagram Story vorbei… 😉

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