Fliegen ist für mich Luxus

Um einer Bedeutung einer Sache die richtige Position zu geben, muss man dies differenziert und in einem Kontext sehen. Sven fliegt des Fliegens Willen und vergnügt sich meist in der First und Business Class – ich kenne niemanden, der sonst 300.000km im Jahr im Flieger abreißt.

Fliegen kann sicherlich, wie alles, was man zu intensiv tut, nerven. Gilly kann davon ein Lied singen, und wenn ich seinen Text lese, kann ich das verstehen. Der Hazzle, den man teilweise am Flughafen erlebt, kann einem gehörig auf die Nerven gehen. Ich fliege unheimlich gern, weil es für mich etwas Besonderes ist. Ich fliege wenig und habe sehr spät damit angefangen. Meinen ersten zivilen Flug hatte ich 2008 – im Alter von 29 Jahren.

Meinen »Jungfernflug« hatte ich einige Jahre eher – 2002. Eine Stunde mit einer Transall C160. Der damalige Kommandeur des LTG62 hielt es für eine gute Sache, dass neue Soldaten am Fliegerhorst mindestens 1x mit einer Transall mitgeflogen sind. Ich habe mich meiner Höhenangst also stellen müssen. Es war nicht so schlimm wie erwartet, auch wenn so eine Militärmaschine ganz gute Manöver ziehen kann – auch als Transportflugzeug. Die Tagesaufgabe sich nicht zu übergeben, hatte ich zumindest bestanden.

Mein später Einstieg in die Fliegerei ist leicht begründet: Geld. Es war zu wenig davon vorhanden. Es ist zwar immer zu wenig, aber ich war in Kindesalter auch nie unterwegs. So bereiste ich 2008 das 1. Mal mit dem Flieger Zürich. Der Flug teilte sich gefühlt in 30 Minuten im 45-Grad-Winkel hoch und 30 Minuten wieder runter (HAJ – ZRH). Es war mir dank meiner Höhenangst nicht geheuer. Es folgten Kurzstreckenflüge nach Paris, Hamburg, Wien oder Rom.

2011 war es dann so weit: mein erster Langstreckenflug. Ich wusste nicht, wie ich es 7 Stunden in einem Flieger aushalten sollte. Ich hatte ja keine Erfahrung. Seitdem habe ich Blut geleckt. Ich finde es unheimlich spannend, tagsüber herunter zuschauen, wenn man über fremde Länder fliegt. Ich kann dabei sehr gut abschalten und denke darüber nach, wer wohl in diesen einsamen Hütten in den Alpen wohnt. Wie stellen diese Menschen eine Grundversorgung sicher? Wovon lebt man dort?

Wenn ich Langstrecke fliege, bin ich angekommen. Ich kann zum einen Abschalten, sofern mir nicht schon die Knie von der Holzklasse weh tun. Viel wichtiger ist allerdings diese innere Befriedung, sich etwas erarbeitet zu haben. Ich konnte mir etwas ermöglichen, wovon ich in meiner Kindheit keinen Gedanken dran verschwendet habe. Man hätte mir eher sagen sollen, dass man so viel und so oft reisen sollte, wie es nur geht. Ich hätte vermutlich nicht Jahre damit verbracht, meine Urlaube zu Hause zu verbringen. Es gab einfach keinen Anlass irgendwohin zu reisen. Was soll ich dort, stelle ich mir häufig als Frage. Heute ist das etwas anders. Ich gebe wesentlich mehr Geld fürs Reisen aus (Auto / Zug inbegriffen). Ich bin weiterhin der klassische Urlaubsflieger. Ich fliege etwa einmal (bis zweimal) im Jahr. Es ist nichts Besonderes, aber für mich wird es dies hoffentlich immer bleiben, auch wenn man routinierter wird. Ich habe zwar schon häufig einen Roadtrip nach Dubai ins Auge gefasst, aber so richtig getraut, habe ich mich bisher noch nicht. Deswegen wird es wohl bis auf weiteres beim Fliegen bleiben.

Ich werde nächstes Jahr wieder Langstrecke fliegen. Nach Dubai. Wohin auch sonst. Ich habe die Stadt und das vor allem das Land in der richtigen Zeit kennengelernt, um es zu mögen. Der schönste Augenblick ist beim Fliegen daher nicht, wenn ich in der Luft bin. Mein Highlight ist es, wenn die warme, salzige Luft des arabischen Golfs die Kabine des Flugzeugs flutet, ich tief einatme und mein erster Gedanke ist: willkommen zu Hause.

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