Social Media: Wer fliegen will, muss aufhören zu laufen

Herr Kolbrück (@offtherecord) hat in seinem Posting über die Müdigkeit von Social Media, einige Sachen auf den Punkt gebracht. Die Enttäuschung könnte demnächst einsetzen und es werden sicherlich einige den Rückzug antreten. Ich nutze die Gelegenheit um mal einige grundlegende Beobachtungen in Frage zu stellen.

Studien

Studien lassen sich schnell streuen. Das Problem ist, dass die meisten Studien sich schön anhören, aber keine Gewichtung für einen selbst haben (was nicht heißt, angucken lohne nicht). Darüber habe ich mich in der Vergangenheit schon aufgeregt. Sie werden gern in Infografiken garniert. Irgendwie scheint hier der Menschenverstand manchmal etwas auszusetzen.

Social Media Silo

Eine Studie wird zitiert. Ein Unternehmen hat X% mit irgendwas gemacht. Notebooksbilliger hat seine Fans vervierfacht in 2 Tagen, dazu könnte man mal eine Infografik machen. Dann würde man sehen, dass eine Zahl gestiegen ist. Was dabei nicht beachtet wird, dass eine Pressemitteilung verschickt worden ist. Dass das Unternehmen einen Pressesprecher hat, ein Forum führt, einen Blog, Bandenwerbung in Fußballstadien macht und ab und an auch TV-Werbung. Es wird also ein Erfolg im Social Media-Bereich beklatscht, jedoch ohne Berücksichtigung anderer Aktivitäten des Unternehmens oder der Marke.

Die Bahn geht genau den umgekehrten und richtigen Weg. Wir machen auf Twitter nur Serviceanfragen. Punkt. Ende. Aus. Kein Marketing, kein Vertrieb. Klar definiertes Instrument und nicht voll integriert, aber gut angedockt. Wie Will Smith in Man in Black ans Mutterschiff – um einfach mal Dimensionen zu skizzieren.

Wenn also demnächst wieder eine unglaubliche Meldung hinein schneit, dass Starbucks, Dell, Intel, Coca-Cola oder der Dalai Lama etwas bemerkenswertes getan haben, dann fragt bitte kurz: Warum hatten sie einen solchen Erfolg damit?

Fliegen oder Laufen?

Too much bullshit

Ein weiteres Problem ist, dass einfach zu viel Mist kursiert. Es wird sich auf die falschen Richtungsinhalte fokussiert. Es werden die Hausaufgaben vergessen. Wenn ich z.B. Twitter-Dienste wie Buffer oder Timely sehe, finde ich das nett. Es sollte sich, wenn man mal den ersten Newsletter versendet hat, rumgesprochen haben, dass Versendezeiten sich in 2 Klassen einteilen: Gute und weniger guten. Das ist Basiswissen im E-Mail Marketing und jeden, der mal einen Onlineshop von hinten gesehen hat. Im Social Media-Bereich wird es als heiße Ware gehandelt. Jetzt aber das Problem: Deine Botschaft/dein Angebot wird dadurch nicht besser! Wenn die Basis nicht stimmt, bringt dir das tollste Timing leider nichts. Was ich in den meisten Fällen dann sehr verblüffend finde, ist die Ausrede: “Ja wir probieren ja nur rum” – grooooaarrr warum? Weil es nicht direkten Zugriff auf das Bankkonto hat? Wenn Dir jemand sagt, dass Du eine Ebene tiefer ansetzen sollst, dann mach es doch einfach! Nimm den Rat an, wie sonst auch jeden Rat, der dir zugetragen wird.

Die Basis stimmt aber in aller Regel nicht. Vivian Pein (Social Media Managerin, Hermes) sagte auf dem Barcamp Hannover, dass gefühlte 70% ihrer Arbeit intern seien. Mit anderen Worten: Sie schafft eine Basis, damit Social Media überhaupt mal vernünftig funktionieren kann. Es muss eben auch im Manangement ankommen, welche Prozesse dort stattfinden und welche Auswirkungen sie haben.

Alles andere, ist fällt vermutlich unter kampagnengetriebenes Social Media Marketing. Wovon sich das ein oder andere Unternehmen verabschieden wird. Ich halte daran fest und hoffe nicht auf den Fanwert sondern auf Omas Costumer Lifetime Value.

Liebe Unternehmer und Manager: Wer fliegen will, muss irgendwann aufhören zu laufen 😉

(Bildnachweis: Flickr, Batchyx)

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