Marken die Meinung geigen auf Croking.com

Wir kommen ständig mit Marken in Verbindung und nicht jeder hat das Glück oder die Lust, den PR-/Marketingverantwortlichen persönlich zu kennen, um seine 2 Cent loszuwerden. Es gibt aber auch drastische Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen. Einen neuen Ansatz verfolgt die Plattform Croking.com.

Anfang August ist die Plattform gestartet. Croking.com ist eine Mischung aus Twitter und Reddit für Marken und Markeninteressierte. Ich möchte Croking seine Identität nicht absprechen, aber irgendwie muss ich es euch ja (auf die Schnelle) erklären.

Was ist ein Croke?

Die Nachricht, die ein User absenden kann, ist ein Croke. Ein Croke ist eine 300 Zeichen lange Nachricht, die aus Text, Bild und Video bestehen kann. Diese Nachricht wird an eine Marke gebunden. Diese Nachricht lesen dann alle, die mir als Person oder der Marke folgen. Marken kann man als Fan oder Kritiker folgen. Die jeweilig geäußerte Meinung, Erfahrung kann dann wie von z.B. Reddit gewohnt, hoch oder runter bewerten.

Meinungsführer identifizieren

Es ist für Marken nicht immer einfach, Meinungsführer zu identifizieren. Und ein Meinungsführer muss nicht immer der sein, der augenscheinlich die größte Reichweite hat. Hier will Croking eine Hilfestellung bieten, indem die Profile der User mit einem Influencer Score versehen wird. Ebenso haben Marken einen Brandsscore, um die Relevanz der Marke besser identifizieren zu können.

Marken sollen mit eingebunden werden

Die Idee findet zumindest bei mir Anklang. Die Herausforderungen, die an die fünf Heidelberger gestellt werden, drehen sich in zwei Richtungen. Eine kritische Masse an Usern zu generieren als auch die Marken (inkl. PR und Marketingagenturen) dazu zu bewegen, regelmäßig auf die Plattform zu kommen. Daniel Brunnett erzählt im Interview, dass dies zumindest in Moment recht gut funktioniert.

Interview

Daniel, erst einmal Glückwunsch zu eurem Baby. Croking macht einen soliden Eindruck mit viel Liebe zum Detail. Wie seid ihr auf die Idee gekommen und wie lange arbeitet Ihr nun an der Plattform?

Hallo Kai. Auf die Idee der Plattform sind wir bei einem gemeinsamen Bier gekommen. Unsere Diskussion endete darin, dass es ziemlich schwer ist, der Marke mitzuteilen, was man von ihr hält – oder eben wie einem das Gebräu schmeckt. Die Idee war geboren, seitdem stecken wir unsere Zeit in das Projekt. Bootstrapping. Wir möchten die Plattform für den User sowie die Kernfunktionen für Unternehmen kostenlos halten.

Das Croking-Team am Tag der Gründung

Könnt ihr euch vorstellen, dass eine Kapitalgesellschaft bei euch einsteigt, um Croking zu pushen? Mit der steigenden Aufmerksamkeit wird ja z.B. auch die Infrastruktur irgendwie bezahlt werden müssen.

Ja, wir suchen aber einen Partner, der uns in allen Belangen unterstützt und uns hierbei die kreative Freiheit lässt, Croking in unserem Sinne zu entwickeln. Zudem darf durch eine solche Partnerschaft nicht die Unabhängigkeit Crokings von spezifischen Marken gefährdet werden.

Wie ist eure Strategie, damit Marken auf eurer Plattform nicht nur diskutiert werden, sondern auch stattfinden. Wie wollt ihr zum Beispiel den Marketing Manager von Coca Cola Deutschland dazu bringen, sich auf Croking zu bewegen?

Wir gehen aktiv auf Marken zu und zeigen Ihnen den Mehrwert auf, den Croking für die Interaktion mit Kunden bringt.

  • Der Marketing Manager sieht auf Basis der Kundeninteraktion, welche Meinung derzeit populär sind und welche nicht – die kollektive Meinung ist nämlich was Firmen wirklich interessiert.
  • Er kann aufkommende Trends erkennen und von den Ideen der Nutzer profitieren, um deren Bedürfnissen zeitnah gerecht zu werden.
  • Er erkennt auf Basis des Influence Scores der Nutzer, welche Nutzer Lead User sind und kann mit diesen direkt interagieren, um Innovationspotenzial nicht nur innerhalb des eigenen Unternehmens zu finden

Hier spielt auch der Brand Score der Marke eine große Rolle, je besser die Marke mit seinen Nutzern agiert, desto besser wird der Brandscore und ich glaube Coca-Cola will einen besseren Brand Score als Pepsi erreichen.

Ihr habt an einige Sachen im Vorfeld gedacht. Ein Scoring um Influencer besser finden zu können und gleichzeitig einen Gamifaction-Ansatz, um die Diskussionen am Leben zu halten. Seht ihr hier ein Risiko, dass eure Plattform mit Belanglosem verwahrlost wird?

In der kurzen Zeit, in der wir online sind, haben wir bereits gesehen, dass die Nutzer qualitativ hochwertige Crokes pushen und Unnützes mit Downvotes irrelevant machen. Hier zeigt sich schon, dass die Regulierung durch die Community funktioniert. Durch diese Regulierung kann der Marketing Manager auf die wichtigsten Bedürfnisse seiner Kunden eingehen.

Hier einige Beispiele:
Gute Crokes, welche die Community pusht

  • http://croking.com/c/319
  • http://croking.com/c/802
  • http://croking.com/c/784
  • http://croking.com/c/497

Crokes, welche die Community als weniger gut gesehen hat

  • http://croking.com/c/230
  • http://croking.com/c/137
  • http://croking.com/c/28
  • http://croking.com/c/391

Wie kann ich als Nutzer sichergehen, dass ich das, was ich da schreibe auch „gesehen“ wird? Wo liegt die Motivation für den Nutzer, besonders in der Startphase?

Nutzer können sich gegenseitig folgen oder Fan oder Critic einer Brand werden, d.h., wenn ein Nutzer seine Meinung Coca Cola mitteilt, sehen dies alle die Coca Cola auf Croking folgen und können diese Meinung ihre Stimme geben, kommentieren und diese mit ihren Followern weiter teilen. Durch diese Mechanismen kann eine gute Idee/Meinung an Gewicht gewinnen und die nötige Beachtung erlangen.

Jeder Nutzer hat auch die Möglichkeit zu filtern, um die Meinungen zu finden, die für ihn von Interesse sind und an der Diskussion um diese Teilnehmen – also können auch Nischenmeinungen ihr Publikum finden. Der Nutzer kann seine Meinung ohne Probleme auf Twitter und Co. teilen um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Der Ansatz ist interessant. Dies fördert nicht nur die Interaktion mit der Marke sondern auch untereinander. Ich kann mir vorstellen, dass z.B. Produktschwächen dadurch aufgedeckt werden könnten, weil man kein Einzelfall mehr ist. Spannend!

Abschließendes

Croking scheint hier in eine Lücke gestoßen zu sein, die sich in viele Richtungen entfalten kann. Ich sehe das als wichtigen Punkt, denn nicht nur der Fokus ist wichtig. Die Interaktion unter den Usern könnte der Plattform ein 2. Standbein werden, um sich als Hort für Meinungsführer einen Namen zu machen. Neben der üblichen Erfahrung mit einer Marke, werden sicherlich auch Produkte als solches eine große Rolle spielen. Produktinformationen, Hidden Features oder Life Hacks könnten der Plattform den nötigen Aufwind bescheren.

Croking selbst ist mit viel Mühe gestaltet. Man merkt der Plattform beim Surfen an, dass da mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde. Die Plattform selbst läuft flüssig und die User Expierence macht einen guten Eindruck. Daher sollten die Marketeer unter euch mal einen Blick auf die Plattform werfen.

Ich wünsche den Jungs alles Gute und ein glückliches Händchen!

Keine weiteren Beiträge

Send this to a friend