ADAC: Zerfall einer Traditionsmarke

Der Super-GAU, den der ADAC derzeit einholt, ist für Involvierte sicherlich nicht schön. Als Außenstehender kann man aber den Verlauf und den Zerfall der Marke gut beobachten. Besonders in solch Krisensituationen muss man sich einigen Dingen bewusst werden. Eine Marke zerfällt bis auf seinen Kern, sofern sie einen Kern besitzt.

Als Mitglied des ADACs fühle mich in Teilen verraten. Ich zahle immerhin 70 Euro im Jahr dafür, dass man allerhand Schabernack veranstaltet. Ich mag gar nicht aufzählen, was alles in den vergangenen Wochen alles aufgeflogen ist. Über 15000 Mitgliedskündigungen sind ein klares Signal. Der ADAC hat sich buchstäblich selbst zerlegt.

Demontage der Glaubwürdigkeit

Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es in Zukunft noch wichtig sein wird, welches Fahrzeug beim ADAC in einem Ranking auf Platz 1 steht. Genauso wird es wohl weniger Reifenhersteller geben, die ein ADAC-Testsiegel auf ihre Produktbandarole kleben werden. Nach den Meldungen der letzten Wochen wird es auch viele Konsumenten geben, die keinen Pfifferling mehr auf die Ergebnisse geben werden. Der ADAC hat seine Glaubwürdigkeit selbst demontiert. Preisträger geben den Gelben Engel zurück – eine logische Schlussfolgerung, um nicht selbst noch anteilig Schaden zu nehmen.

Der gelbe Engel bleibt

Das Imageproblem des ADACs gewinnt an Gewicht, wenn man betrachtet, wofür der ADAC stand. Glaubwürdigkeit, deutsche Wertarbeit, Ehrlichkeit – der ADAC war eines der großen Zeichen dessen, woran wir Deutsche gern glauben. Made in Germany als bestes Praxisbeispiel sozusagen. Eine weiße Weste über Jahrzehnte hinweg, der Begriff des gelben Engels ist nicht ohne Grund in Gesellschaft akzeptiert.

Der gelbe Engel hingegen wird bleiben – und das ist auch gut so. Die mobile Pannenhilfe ist der ausschlaggebende Grund und Motor für den ADAC. Es ist die Begründung vieler, die im ADAC sind. Es hat sich über Jahrzehnte bewährt, dass die Leute vom ADAC empathiefähige Helfer sind. Es beantwortet auch die wichtigste Frage: das Warum. Warum bist Du im ADAC? Niemand ist wegen des riesigen Überschusses an Angeboten im ADAC. Ich kenne niemanden, der sagt: Ich bin Mitglied im ADAC, weil die machen so gute Reifentests. Der Hauptgrund für eine Mitgliedschaft ist nach wie vor die Pannenhilfe und die war wohl in den meisten Fällen ehrlich.

Genaues Hinsehen

Der ADAC wird sich in Zukunft aber stärker auf die Finger gucken lassen müssen. Das Mitglied wird stärker darauf achten, was der ADAC sonst noch so macht. Neben der Pannenhilfe gibt es vermutlich nur noch das Sicherheitstraining, welches wirklichen Anklang finden dürfte. Es deckt sich eben mit den Beweggründen des Autofahrers: Für mehr Sicherheit und Kontrolle im Straßenverkehr etwas zu tun.

Abschließend

Im Falle des ADACs zeigt sich sehr deutlich, was passiert, wenn eine Marke bis in seine Grundmauern zerfällt. Das ganze Beiwerk, welches irgendwann mal aufgebauscht wurde, wird in seiner Konsistenz dem Druck nicht standhalten können. Übrig bleibt nur der wahre Beweggrund, aus welchem Grund Mitglieder sich dem ADAC angeschlossen haben: Hilfe im Straßenverkehr. Aber auch die Bergwacht wird sicherlich ihre Akzeptanz finden, sowie auch die Sicherheitszentren. Dies ist der Grund, wieso es eine Mitgliedschaft im ADAC gibt.

Die Frage, welchen Überschuss ich mit meiner Mitgliedschaft wohl bezahle, wird man dem Mitglied ebenfalls schuldig sein. Der ADAC wird gut daran tun, sich auf seine Traditionswerte zu bekennen. Dies tut er bereits in der aktuellen Mitgliederzeitschrift, auch wenn ich den Aufhänger nicht mag. Etwas mehr Demut stünde dem ADAC gut.

(Bild: Stefan Ataman / Shutterstock.com)

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