New York: Das erste Mal im Big Apple

Wenn man das erste Mal nach New York reist, hört man vieles von jenen, die schon dort waren. Für mich war es die erste Übersee-Reise und ich hatte nur 2 Dinge im Kopf: Gute Bilder machen und ohne großen Hazzle einreisen.

Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, welche Bilder ich aus New York mitbringen könnte. Eine Stadt, ein Land und Menschen, die ich nicht kenne. Ich hatte eine Woche vor Abreise noch das Glück einen Samstagnachmittag im Heidestudio von Steffen »Stilpirat« Böttcher zu verbringen. Wir unterhielten uns auch über Kreativität, was wohl mein Denken über Fotografie für immer verändert hat. Dazu schreibe ich aber die Tage in einem eigenen Beitrag. Zurück zu New York.

Die Einreise war problemlos, auch wenn ich bei der Nachfrage, wie oft ich in den Vereinigten arabischen Emiraten gewesen bin, nicht gerade für Euphorie sorgte. Auf die Folgefrage, warum ich dort gewesen sei, hatte ich mich zum Glück vorbereitet. Der Grenzbeamte fragte binnen 15 Sekunden alle Informationen ab. Ich bemerkte erst später, dass dies alles Informationen waren, die er im Computer hatte.

Da standen wir am Newark international Airport. Die 70er Jahre Wartehalle, die jede Dallas-Serie neidisch gemacht hätte, hinter uns gelassen. Der Fahrer kam nicht und nach einiger Überlegungszeit nahmen wir ein Taxi. Es war nicht irgendein Taxi. Es war wohl das kaputteste Taxi, was wir in New Jersey hätte finden können. Die Frontscheibe hatte ein runden Einschlag unten links, woraus ein Sprung entsprang der sich zu dreiviertel über die Scheibe zog. Die Heizung war defekt und die Instrumente fielen regelmäßig für eine halbe Sekunde aus. Bei einem Wetter, wo Airlines alle Anschlussflüge wegen Schneefalls streichen, ist das nicht ein Umstand, den ich als Gewinn ansehe. Besonders die Heizung war nervig, da wir im Wochenendverkehr der 7th Avenue standen. Das Erste was ich sehe, nachdem ich in die beschlagene Scheibe ein Guckloch reibe: Kebap House. Ich nenne es: Karma.

Subway

Unser Hotel liegt in der 35th 8Av, was unmittelbar zum Madison Square Garden ist. Die Penn Station wird die Homebase unserer Reise bilden. Insgesamt ist Subway-Fahren wohl die beste Möglichkeit, um von A nach B zu kommen. Das Netz ist relativ einfach zu verstehen, da man in Manhattan sich an den Straßenzahlen orientieren kann. Die berühmten Musiker, die es in den Subway Stations in NYC gibt, sind allerdings weniger häufig anzufinden als man es ihnen nachsagt. An den großen Stationen hörten wir die Musik bereits an den ersten Treppenstufen. Es ist großartig. Wir gehen die Treppen herunter und uns schallt der Klang von Tramp Stumpern entgegen oder eine komplette Band, die auf Trompeten spielt. Das kürzt die Wartezeit unheimlich ab und verleiht dem Ganzen eine viel wärmere Atmosphäre.

Central Park, Grand Central Station

Der Central Park ist groß und bei -16°C weniger grün als man ihn von Urlaubsfotos kennt. Die freundlichen New Yorker Eichhörnchen zeigten sich trotz des Wetters. Der Times Square ist kleiner als gedacht und der Broadway zieht sich über halb Manhattan. Well Done. Fake it until you make it trifft es wohl sehr gut. Ich bin nicht enttäuscht, aber irgendwie hatte ich es mir anders vorgestellt. So erging es mir auch an der Grand Central Station. Seit Madagaskar weiß ich: Sie ist groß und zentral. Das ist sie – und hat eine wunderschöne Wartehalle. Die Gleise hingegen sehen genauso aus, wie in jeder anderen Station. Schade, das raubt die Illusion. Gibt aber schöne Fotos.

Manhattan ist eine große Fläche, was einem aber erst so richtig in seiner Dimension bewusst wird, wenn man es mit einem Helicopter abfliegt. Was ich nur empfehlen kann.

Die gute alte Zeit

Den Glamour, den man vielleicht von New York erwartet, der ist anzufinden, wenn auch sehr spärlich. Das Rockefeller Center ist eines der wenigen Gebäude, die einen besonderen Charakter versprühen. Die berühmte Eisfläche ist ebenso klein wie der Times Square. Aber das Gebäude hat Flair. Es verkörpert ein Zeitgeschehen, hat es gleichzeitig problemlos ins Jahr 2015 geschafft. Eine Atmosphäre, die bei mir Eindruck hinterlassen hat. Das Rockefeller Center bildet mit dem Empire State Building einen Charme, der New York vielleicht so beschreibt, wie man es sich vorstellt, wenn man (wie ich) zu viel Fernsehen geschaut hat. Ich empfang beim Betreten der alten Drehtüren schon fast etwas Ehrfurcht. Großartig. Es hat wirklich etwas.

New York ist bunt

Wenn New York eines ist, dann ist es wohl facettenreich. Dies ist positiv wie negativ gemeint. Als ich das erste Mal in die Subway ging, traf mich der Schlag. Die Stationen sind ziemlich abgeranzt, die Bahnen sind jedoch sauber.
Die Straßen haben hier und dort die besten Jahre hinter sich. Das ist ok, nur hätte ich es in Touristen-Zentren in der Form nicht erwartet. Wir haben uns schnell daran gewöhnt. Es ist eben anders und das ist gut so. Ein paar Tausend Kilometer von Zuhause entfernt, möchte ich mich zumindest für 2 Tage fremd fühlen. Dieses Gefühl legt sich in Manhattan, da der Tourist vom Local nicht zwingend zu unterscheiden ist, außer er steht fotografierend im Weg. Pro-Tipp, wenn ihr nicht auffallen wollte: Kaffeebecher in der Hand und so tun als würde man telefonieren. New Yorker telefonieren scheinbar immer und überall.

Die Stadt, die nie schläft

Manhattan hat mir gut gefallen. Ich hätte gern ein Spiel der Knicks im Madison Square Garden erlebt oder das Yankee Stadion gesehen. Der Central Park ist ein schöner Ausgleich, um mal eben ins Grüne zu kommen. Die Freiheitsstatue ist weniger aufregend, als ich sie mir vorgestellt habe. Insgesamt gefiel mir die Zeit in New York. Es macht den Eindruck als wäre es eine Stadt, in der man etwas bewegen kann. Ein Fluss von Energie der nie still steht. Ich mag das. Ich mag diesen Spirit, den die Spielhäuser am Broadway versprühen. Vor allem mag ich aber im Whole Food Market mir Tiramisu nach Gewicht auflöffeln 😉

New York ist in Bewegung. Es ist definitiv eine Reise wert. Es muss nicht zwingend im Winter sein. Ich glaube aber, das man New York bzw. Manhattan in allen 4 Jahreszeiten erlebt haben muss. Es macht den Eindruck als gäbe es kein besser oder schlechter, sondern nur ein anders. Das macht es so interessant. Ich komme wieder, nicht im Winter – vielleicht das nächste Mal im Herbst.

New York ist nicht perfekt, aber definitiv eine Reise wert.

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