Der unangetastete Geldtopf sozialer Netzwerke

Es gibt so einige Möglichkeiten als soziales Netzwerk Geld zu verdienen. Werbung ist eine Form, Verkaufen von Datensätzen als auch Analysen über die Daten. Der Nutzer ist das Produkt. Social Gaming ist ein weiterer blühender Zweig. Es gibt allerdings ein Zweig, der fälschlicherweise völlig außer Acht gelassen wird, obwohl es dafür (gerade) im Social Gaming Vorbilder gibt. Premiumangebote.

Viele werden sich geistig abwenden. Bei einer Zielgruppe von geschätzt einer Milliarde Menschen, dürften so mancher nicht infrage kommen. Das macht aber noch lange keinen Nachteil. Bisher verhält es sich so, dass es bei Facebook, Twitter oder Google+ keine Premiumangebot gibt. Wenn man noch XING als Netzwerk hinzuzieht, ist es das Einzige mit bezahlbaren Accounts. Dies hat in der Vergangenheit gut funktioniert, wirklich kreativ ist dieses Modell allerdings nicht. Es ist nicht wirklich zufriedenstellend, Leistungen zu zahlen, die man nicht benötigt.

Vorbild Spiele

Wenden wir uns dem Social Gaming zu. Die Spieleentwickler sind in der Regel etwas kreativer als Produktmanager. Man stelle sich vor, dass man sich in einem Spiel nur Pakete kaufen kann. Kaufe bei Farmville Trecker, Harke, 4 Kühe und 2 Säcke Reis. Bei Monopoly kann ich ein Hotel nur auf der Schloßalle bauen, wenn ich auch die Chaussee-Straße gekauft habe. Die meisten Optionen sind leider nur im Paket zu haben. Dabei wäre eine Bauklotz-Lösung wie bei den Games eine echte Alternative. Ich brauche keinen Reis bei Farmville, wenn ich selbigen nicht anbaue. Ich brauche auch keine Kühe auf einer Schweinefarm. Vielleicht möchte ich nur den Trecker.

Ein weiteres Vorbild liefert hier Apple. Dass iTunes als auch das iPhone eine Geldmaschine ist, darüber lässt sich nicht lange streiten. Apple zeigt hier jedoch auch, dass im Sektor des MicroPayment sehr viel Geld liegt. Nicht zu letzt durch die Lösung sogenannter „In-App“-Verkäufe. Der Konsument kann dort z.B. weitere Spielrunden (Levels) für einen Heller kaufen, oder weitere Fahrzeuge für eine Autorennensimulation. Dies soll jedoch nur zur Veranschaulichung dienen, dass individuelle Angebote auch in Niedrigpreissegment durchaus Geld in die Kassen spülen. Wenn man berücksichtigt, dass Facebook für ein solches Angebot in Frage kommt, dürfte Apple ein realistischer Vergleichspartner sein.

Keine Lightpackung

Es kann und soll alles so bleiben wie es ist. Der User, der nicht zahlen möchte, braucht auch nichts zahlen – er kann das Netzwerk im vollen Umfang nutzen. Was sich sehr banal anhört, ist eines der wichtigsten Punkt in diesem Konzept. Dies ist auch der Unterschied zu dem (für mich) unattraktiven Modell von XING. Ohne dies weiter bewerten zu wollen. Der Nutzer möchte nicht beschnitten werden, er möchte Optionen on top kaufen können. Bei LinkedIn kann man dies tun, allerdings richtet sich das Angebot nur an »Professionals«.

Das Problem an der Konzeption eines abgespeckten Nutzerprofils ist, dass der Grad bis zum Abbruch des Nutzers auf einer Haaresbreite rangiert. Der Betreiber kann sicherlich Studien darüber führen, wo sich diese Haaresbreite befindet. Es ist allerdings zweifelhaft, ob man es sich langfristig leisten kann, den gefilterten Bodensatz einfach wegzukippen.

Stück für Stück

Ein vielfältiges Angebot wäre von Nöten. Letztlich möchte ich als Produkt Konsument nur für Leistungen zahlen, die ich für mich und mein Verhalten als schlüssig erachte. Dies ist für mich als Blogger anders als für einen Headhunter, einen Fotografen oder einen Marketing-Manager. Daher sollte es möglich sein, auch einzelne Elemente eines Pakets kaufen zu können. Einfach um den Bedürfnissen der einzelnen Zielgruppen besser gerecht zu werden.

Eine hohe Marge

Ein Sturm der Entrüstung wird sicherlich in der ersten Woche stattfinden. Da der »normale« Account allerdings nicht weiter beeinflusst wird, dürfte sich dies schnell legen. Immerhin geht es darum, Benutzer zu bedienen, die mehr wollen. Angenommen ein Baustein kostet 1 Dollar pro Monat und im Durchschnitt kauft sich der Nutzer 2 Bausteine. Ich nehme einfach mal 1% Konversionsrate, so bleiben bei einer Milliarde Accounts noch 10 Mio über. Bei einem Jahresabo wären dies im ersten Jahr 240 Mio US-Dollar (gern auch Euro).

Premiumangebot im Social Web. Beispiel anhand von Facebook

Das hört sich angesichts der Milliarden, die um Facebook geistern erst mal ganz solide an. Die Facebook Credits haben 2010 140 Mio Dollar eingespielt. Mit 1% ist die Marke allerdings relativ weit unten angesetzt. Ich rede hier auch nur von kleinen Funktionen. Stelle sich einer vor, man könnte bei Facebook sehen, wer auf dem Profil gewesen ist – für 12 Euro im Jahr. Selbst wenn die Funktion nur von 0,5% der Nutzer ausprobiert werden würde, wären wir bei geschätzten 120 Mio US-Dollar. Wie viel würde es wohl kosten, eine solche Funktion zu entwickeln und in Facebook zu integrieren? Sicherlich keine 120 Mio US-Dollar.

Man könnte dies auch ähnlich wie einen AppStore betreiben. Allerdings würde ich es vermeiden, externe Apps zu vermarkten. Dies würde zu viel zu viel Chaos führen. Man könnte allerdings gute Ideen einkaufen (z.B. durch Anstellung). Ein geringer Preis würde aber zur Gewöhnung des Nutzers beitragen, was ihn vielleicht in ein »low interest«-Segment fallen lassen würde. Das Abo-Modell ist wie geschaffen hierfür. Die Vermarktung solcher Produkte wäre allerdings der nächste Schritt.

Zusammenfassung

Es gibt in den sozialen Netzwerken also, neben den Daten, durchaus noch Geld zu holen. Die Kunst dabei wird darin liegen, dass man den Nutzer nicht einschränkt und im Erfolgsfalle das System nicht ausbaut. Eine zu hohe Frequenz von Verkaufsabsichten würde dazu führen, dass der Nutzer erst das Angebot und dann das Netzwerk ablehnt. Der Preis sollte möglichst gering gehalten werden. Ein Abo-Modell würde eine gewisse Grundstimulierung der Benutzertreue herstellen. Die Produktpalette sollte sich maximal auf 20-25 Elemente beschränken, damit der gewöhnliche Durchschnittsbesucher damit ebenfalls klarkommt.

Falk Hedemann liefert in seinem Artikel »Pro-Accounts im Social Web: Warum Facebook, Twitter und Google+ was kosten sollten« eine Grundlage für eine Diskussion. Er fordert einen Paradigmenwechsel im Internet. Kein kleines Unterfangen – lesenswert!

Keine weiteren Beiträge

Send this to a friend