Facebook Timeline: Märchenstunde bei ZEIT und ZDF

Eigentlich bin ich es satt, mich über Journalisten noch aufzuregen. Die Qualität ihrer Arbeit oder dessen was ich zu Gesicht bekomme, geht in den letzten Jahren rapide bergab. Ich lasse mir nicht einreden, dass es am Geld liegt – Propaganda und Unwahrheiten verbreiten hat nichts mit gutem Journalismus zu tun. Im Fall der “New Media” haben die Verlagshäuser extreme Schwierigkeiten und fallen dabei leider selten positiv auf. Im heutigen Fall haben die ZEIT als auch das ZDF um den Ruhmespott einen weiten Bogen gemacht.

Märchen: Nicht nur in Büchern.


Kern der Misere ist Facebooks “Timeline”. Nicht zu verwechseln mit dem Newsstream. Facebook – nein eigentlich Mark Zuckerberg persönlich, verlangt von jedem Nutzer Fotos von seiner Geburt. Zumindest wenn man einem Artikel der ZEIT Online Glauben schenken darf. So heißt es in dem Artikel:

In der sogenannten Timeline jedes Mitglieds will Zuckerberg dessen gesamte Lebensgeschichte sehen. Angefangen beim ersten Foto nach der Geburt, bis hin zu jeder Nichtigkeit der Gegenwart.

Was macht Zuck eigentlich, wenn man dies nicht nachkommt? Es passiert nichts. Es wird auch nichts passieren. Die neue Ansicht der Profilseiten ändert rein gar nichts an der Architektur des Dienstes. Es sind genau die gleichen Daten auf die ich jetzt Zugriff habe! “Timeline” ändert lediglich die Ansicht. Die Elemente als auch die Zugriffsberechtigungen ändern sich nicht.

Das ZDF geht in ihrem Beitrag vom “Heute Journal” noch weiter. Dort wird der Feind Facebook nicht nur mit Timeline auf den Internetuser, sondern will auch noch lustige Dienste miteinander verknüpfen. Es wurde im ZDF zwar Timeline mit dem OpenGraph durcheinander geworfen und vermischt, aber ein Risiko sehe ich bei dem Opengraph auch. Was ich allerdings nicht sehe, dass ich die Protagonistin “gezwungen” werde, irgendwelche Klicks im Internet zu tätigen. Nur damit meine Freunde wissen, welchen Dienst ich nutze. In dem Kommentar scheint ebenfalls verbrecherisch zu sein, dass gewinnorientierte Unternehmen plötzlich Geld verdienen wollen. Angesichts der Geldgier der öffentlich-rechtlichen mit einer angestrebten GEZ-Erhöhung hört es sich wie der blanke Hohn an.

Neben der Terrorisierung von Facebook, Geburtsbildzwang, einem öffentlichen Leben, und Klick-Knebelverträgen bringt Patrick Beuth in der Zeit noch einige Bedenken ins Spiel.

[…]Ständig müssen sich die Nutzer fragen: Welche Fotos bilden mein Leben ab? Wer darf welche Information sehen? Und wie muss ich sie formulieren, damit sie mir auch in einem Jahr oder fünf nicht schaden können?[…]

Lieber Herr Beuth, können Sie mir mal verraten, wie Sie das Internet im Jahre 2011 eigentlich nutzen? Welche Frage haben Sie sich in den letzten 10 Jahren bei der Internetnutzung gefragt? Wieso muss ich mir diese Fragen nicht schon jetzt stellen?

Laut ZEIT hat Herr Beuth die Umstellung selbst getestet. Wieso er die Änderung allerdings nicht verstanden hat, ist bislang ungeklärt. Völlige Verwirrung stiftet Herr Beute dann auf der “2. Seite” (im Internet…) indem er schildert:

[…]Gleichzeitig wird dieser Lifestream von teils Hunderten anderen Menschen auf sie einprasseln.[…]

Welcher Lifestream wird auch mich einprasseln? Die Timeline, die eigentlich nur eine Änderung der Profilansicht ist? Es gibt zumindest derzeit keinen Vorfall, wo die Timeline durch den Newsfeed ersetzt worden ist.

Im abschließenden Wunsch von Herrn Beuth, dass die User von Facebook weggehen, da dieses auf die Privatsphäre keinen Wert legt. Die jüngsten Tendenzen zeigen einen ganz anderen Trend von Facebook. Gerade vom GooglePlus-Projekt wird man sich einiges abschauen und Userwünsche ableiten können. Zu einer Größe gehört es bekanntlich auch, mal die Meinung zu ändern.

Ich kann mich jedoch weder im Falle der ZEIT noch im ZDF damit anfreunden, dass solch ein Nonsens propagiert wird. Die Frage, die ich mir immer stelle ist, ob eine solche Leistung auch in anderen Themenbereichen abgeliefert wird? Wieso geschieht die Manipulation derartig drastisch? Ich will Facebook nicht gutheißen, jedoch ist eine objektive Schilderung der Dinge heutzutage nicht mehr möglich?

Danke u.a. an @inpressulum für den Hinweis

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