Klout: Ein Indikator für möglichen Einfluss

In Moment scheint es zum Thema Klout / Influencer Hochkonjunktur zu geben. Die Süddeutsche meldet sich zu Wort, bei Basic Thinking gibt es was zu lesen, und wenn einmal jemand angefangen hat, dann kommt auch die FAZ um die Ecke. Ganz ehrlich: Ich kann es nicht mehr lesen. Ernsthaft nicht.

Klout: Viel Wirbel um eine Zahl

Klout?

Fangen wir aber mal vor an, was Klout eigentlich ist. Es ist der bekannteste Dienst, der sich mit der mathematischen Berechnung von Online-Aktivitäten beschäftigt. Am Ende kommt eine Zahl dabei heraus, die widerspiegeln soll, wie hoch die Möglichkeit besteht, dass die betreffende Person auf einem Gebiet Einfluss haben könnte. That’s it – nicht mehr und nicht weniger. Noch mal zum Mitschreiben:

Der Wert spiegelt eine mögliche Einflussnahme wieder.

Der Unterschied dazwischen ist, dass selbst Agenturen inzwischen wissen, dass es nicht in Stein gemeißelt ist. Und ich möchte behaupten, jeder der sein Hirnschmalz mal 5 Minuten durch den Squirl schickt, wird zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Was mich an diesen Artikeln so nervt, ist die Tatsache, dass sie einen Sachstand darstellen, den es vor 2 Jahren gegeben hat. VIP-Lounge ab Klout 50, Einladung zum Event ab Score 60. Dies ist alles nicht neu, dies ist die Vergangenheit bzw. schon da gewesen.

Man muss kein großer Freund von Klout sein. Man muss aber Marketing und PR so weit verstehen, dass Klout ein Hinweis sein kann, wenn ich eine bestimmte Personengruppe untersuche, die ich selbst nicht vollständig kenne. Es ist nur ein Indiz für eine mögliche Zusammenarbeit und es spielen noch viele weitere Schlüsselfaktoren eine Rolle. Der Beruf ist z.B. nicht unwichtig. Johannes Kuhn hat zwar »nur« eine Klout-Score von 47 – er hat aber Zugriff auf den Blog der Süddeutschen. Dies wiederum könnte eine gute PR im 2. Grad bedeuten. Zum einen könnte Herr Kuhn sein unmittelbares Umfeld mit den Informationen versorgen und darüber hinaus die Leser der SZ, auch wenn dies primär nicht geplant war. Dies klingt jetzt nicht sonderlich romantisch für Social Media-Aktivisten, der auf der Suche nach Gerechtigkeit ist. Aber darum geht es im Geschäftsleben leider auch selten.

Vorwurf der Manipulation

Wenn man Artikel über und um Klout liest, dann steht dort auch häufig: XY hat seine Tweets erhört und sein Klout-Score stieg. Dies ist in der Tat möglich. Wenn man die Zahl allerdings derartig in Stein haut, dann hat man es auch einfach nicht besser verdient. Ehrlich nicht. Es ist ungefähr so als würde ich mich beschweren, dass mehr Backlinks zu einem besseren Ranking in der Suchmaschine führen. Das ist zwar auch doof, ist aber so. Das Problem nicht die Bewertung, sondern was bewertet wird.

Faktor Psychologie

Die Aufregung kommt daher, dass hier Menschen bewertet werden. Aber nicht irgendwelcher Menschen, sondern ich – und das ist für uns Menschen sehr schwer. Wir mögen es nun mal nicht in Schubladen geschoben zu werden. Dies ist eine Konfrontation mit unserem Eigenbild, dafür muss man schon geübt sein – sonst werden wir da auf eine innere Kollision zulaufen. Das ist nun mal so. Die Tonalitäten, die sich in der Regel daraus ergeben, teilen sich in 2 Lager:

  1. Es ist mir egal, mein Kloutwert liegt sowieso nur bei (irgendwas unter 50)
  2. Es ist mir egal, mein Wert liegt (irgendwo über 70)

In der Spanne zwischen 50-70 liegt man also im Mittelfeld – man könnte auch prognostizieren: Kai ist im Social Web aktiv. Mehr sagt diese Zahl eigentlich auch nicht über mich aus. 63. 63 sagt also »Kai ist im Web aktiv«. Das stimmt übrigens. Ich bin im Web aktiv.

Ironischerweise muss man sagen, dass Klout außerhalb von Deutschland meistens auch so gesehen wird, wie ich es beschreibe – als möglichen Indikator. Für nicht mehr und nicht weniger. Wenn man sich dann mit Agenturen oder PR-Verantwortlichen unterhält, dann kommt durchaus mal die Frage nach dem Kloutwert. Der Hintergrund ist doch auch eigentlich logisch – es ist eine Zahl, die ich irgendwie zuordnen kann, in mein eigenes Empfinden gegenüber zahlen.

2 Dinge möchte ich zu diesen Diensten noch loswerden: Selbst nach 4 Jahren Arbeit stehen diese Dienste noch sehr weit am Anfang. Sie werden es aber nie schaffen, den wirklichen Einfluss einer Person auf ein bestimmtes Themenfeld sauber zu messen, außer es ist ohnehin bereits offensichtlich.

Der größte Denkfehler, denn wir hierzulande allerdings begehen, ist zu glauben, dass man bei Social Media alles messen kann.

PS: Wem das Thema bekannt vor kommt, ich hatte im Dezember bereits geschrieben: Social Media: Warum Einfluss messen nicht besonders klug ist

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