Wir kennen uns aus dem Internet

Die CeBIT neigt sich dem Ende und der Stress für die Meisten wird sich auf ein normales Level senken. Wer viel auf Veranstaltungen unterwegs ist um z.B. Onlinekontakte endlich mal persönlich die Hand zu schütteln, der wird einen Satz oft hören “Wir kennen uns aus dem Internet”. Einleitend dafür, dass man schon mal einen Tweet getauscht hat oder in einem Blog kommentiert hat. Ein Trugschluss.

Machen wir uns nichts vor: Wir kennen uns nicht.

Du kannst mir seit Jahren bei Twitter folgen, hier kommentieren und vielleicht mit mir Mails hin und her schicken, aber wir kennen uns nicht. In der WebCiety-Diskussion mit Sascha Pallenberg, Sascha Lobo und Chris Pirillo über Super-Influencer kam eben auch dieses Thema zur Sprache. Ein spannendes Thema, da es selten ans Tageslicht gefördert wird. Es gibt wirklich Leute, die glauben einen zu kennen als hätte man zusammen im Sandkasten gespielt. Das dies ein Trugschluss ist merkt man spätestens, wenn man selbst in die Rolle kommt, wo jemand auf einen zukommt, der einen kennt. In dem Moment ändert sich recht schnell die Sichtweise, da man sich auf der anderen Seite des Tisches wieder findet.

Was weißt Du denn über mich? Das ich an dem oder jenen Tag mein Auto gewaschen habe? Wo ich mich bei FourSquare eingeloggt habe, sofern ich es mit meinen Freunden geteilt habe und oder es über Twitter verbreitet habe? Das ich im Urlaub war? Welche Musik ich höre? Letzteres können sogar meine Nachbarn feststellen, ohne Internet und ohne ein Wort mit mir gewechselt zu haben.

Beim SummerCamp trafen sich viele Leute, die sich »aus dem Internet kennen«

Aber was bekommt man im Netz? Eine Illusion? Ich denke es ist ein Stück vom Kuchen. Zugegeben ist es auch ein stückweit der Preis, den man zahlt, wenn man eine Online-Leidenschaft hat. Exhibitionismus, ADS oder Profilneurose wird einem mal gern hinterher geworfen. Wofür eigentlich? Wenn ich mir die drei oder auch Caschy so anschaue, dann machen sie streng genommen nichts anderes als Content zu produzieren. Behilft man sich mit Nielsens 1-9-90 Gesetz oder der 10/90 Regel wird recht schnell deutlich, wieso die Jungs “Super-Influencer” (schönes Bullshitbingo-Wort) geworden sind. Garantien gibt es natürlich keine, aber wie ich schon im eBook schrieb: Es gibt selten Preise dafür, dass man etwas nicht getan hat.

Der Caschy zum Beispiel. Der schreibt jetzt wildes Zeugs ins Internet seit über 6 Jahren an ein und der selben Stelle. Tag für Tag. Ein bis sechs Postings. Hin und wieder moniert jemand sich darüber, wenn es nur so 2 Zeilen sind. Ich find’s knorke, weil es genauso ist wie vor 3-4 Jahren, wo man eben nicht dazu verleitet wurde seinen Krempel bei Twitter zu outsourcen. Jeder der einen Blog führt oder eben mal gebloggt hat, wird sich vorstellen können, was das an Arbeit bedeutet. Ich finde es auch wichtig, dass der Blog sich mit der schreibenden Person “weiterentwickelt” (sofern eben kein Gemeinschaftsprojekt). Schließlich schreibe ich selbst hier auch nicht mehr viel über Frontend-Themen, deswegen werde ich aber nicht den Blog gleich unter eine andere Domain werfen.

Wie sind eure Erfahrungen mit dem ersten Mal? Vielleicht auch auf einem BarCamp oder eben jetzt der CeBIT? Waren die Leute, die ihr getroffen habt, eurem Vorstellungsbild entsprechend oder doch irgendwie anders? Habt ihr vielleicht eure Meinung komplett geändert, von “der’s doof” zu “doch nicht so doof” bzw. umgekehrt?

Mir könnt ihr es erzählen, dem Fremden aus dem Internet.

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